Hoffnung auf Rally bei US-Aktien

22. November 2005, 16:04
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Das nahende Ende des Zinserhöhungs-Zyklus in den USA lässt bei Analysten Hoffnungen auf ein gutes Jahresende aufkommen. US-Papiere haben Aufholpotenzial

New York/Wien - Seit Jahresbeginn liegt der S&P-500-Index der 500 wichtigsten US-Unternehmen weit hinter der Performance von Aktien in Europa, Asien oder Japan zurück. US-Aktien machen in einem globalen Aktienportfolio den weitaus größten Anteil aus, im MSCI World Index etwa repräsentieren die USA knapp die Hälfte. Für die Performance eines Aktieninvestors war ein so hohes USA-Gewicht zuletzt aber nicht von Vorteil: In den letzten zwölf Monaten legte der S&P-500-Index (in US-Dollar gerechnet) gerade einmal 7,5 Prozent zu, schreibt der Fonds-Informationsdienst e-fundresearch.com.

Der MSCI Europe oder der japanische Topix-Index schafften mehr als das doppelte und gewannen seit Jahresbeginn gut 20 Prozent dazu. Ein nahendes Ende des Zinserhöhungszyklus lässt nun aber Hoffnungen bei einigen auf ein gutes Jahresende aufkommen.

Im vorliegenden Fondsvergleich (siehe Tabelle) wurden die Fonds nach der risikoadjustierten Rendite (Sharpe Ratio) der letzten fünf Jahre bewertet.

Nur drei Fonds mit positiver Rendite

Nur drei Fonds weisen eine positive Rendite auf. Im Vergleich dazu gab der S&P-500-Index 7,9 Prozent pro Jahr nach. Wie auch im Vorjahr liegt der Nordea 1 - North American Value Fund auf Platz eins von insgesamt 115 US-Aktienfonds. Fondsmanager Gregg Powers konzentriert sich bei der Auswahl seiner Aktien auf Sektoren, in denen er über spezielle Expertise und Erfahrung verfügt. "Konkret sind das Medien, Gesundheit, Banken, Immobilien und Technologie. Kapitalintensive Sektoren wie Rohstoffe meiden wir dagegen", so der Amerikaner.

Derzeit setzt er stark auf Medien: "Unserer Auffassung nach werden viele dieser Aktien vom Markt unter Wert gehandelt." Probleme, günstig bewertete Firmen mit bewährten Geschäftsmodellen und guten Aussichten zu finden, hat Powers nicht. Ganz anders die Lage dagegen beim zweitplatzierten Edwin Walczak und seinem Vontobel US Value Equity. "Billige Qualitätsaktien gibt es derzeit nicht viele, deshalb auch die hohe Cash-Quote von 24 Prozent", so Walczak.

"US-Aktienmarkt billig wie schon lange nicht"

Denn obwohl der US-Markt als Ganzes derzeit fair bewertet ist, tut sich unterhalb der Oberfläche einiges: "Eine kürzlich erstellte Bernstein-Analyse hat ergeben, dass die teuersten Aktien des S&P 500 (Growth) nur 50 Prozent höher bewertet sind als die billigsten Titel (Value). Im langfristigen Schnitt betrug diese Relation aber 2:1", deutet Walczak an. Bob Martorelli, Fondsmanager des zweitgereihten Merrill Lynch IIF US Focused Value: "Der US-Aktienmarkt ist so billig wie schon lange nicht mehr. Vermehrt Chancen finden wir in zyklischen Sektoren wie Industrie oder Technologie, da der Zinserhöhungszyklus der Fed Anfang 2006 zu Ende sein sollte." Skeptisch ist er dagegen bei Energieaktien: "Der hohe Ölpreis könnte mittelfristig eventuell Nachfrage zerstören."

Von den befragten Experten am optimistischsten gibt sich Mary-Chris Gay, zusammen mit Bill Miller für den Legg Mason Value Fund verantwortlich. Die zugrunde liegenden Bewertungen seien durchaus passabel: "Der S&P 500 ist mit einem 2005er-KGV von 16,5 bewertet, die faire Bewertung liegt aber bei 18, weshalb US-Aktien dieses Jahr noch ein Aufwärtspotenzial von rund neun Prozent haben sollten. Chancen findet Sie derzeit vor allem im Mega-Cap-Segment bzw. bei Technologiewerten: Sowohl Amazon, Ebay als auch Google finden sich in den Top-10-Positionen des Fonds." (red, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2005)

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    US-Aktien könnten nach der matten Performance der vergangenen Monate noch heuer zu einem Höhenflug ansetzen, meinen Fondsmanager.

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    grafik: der standard
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