Seilbahnen wollen Geld nicht alleine verpulvern

21. November 2005, 14:32
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Gut eine Milliarde Euro haben Österreichs Seilbahnen in Beschneiungsanlagen investiert. Weil die Kosten davonlaufen, sollen nun auch Hoteliers mitzahlen

Wien - Wenn der Winter nicht richtig will, muss ihm nachgeholfen werden, notfalls mit Kanonen. "56 Prozent der Gäste geben die Schneegarantie als Entscheidungskriterium für einen Winterurlaub an", sagte der Geschäftsführer des Fachverbandes Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich, Erik Wolf, im STANDARD-Gespräch. Die Seilbahnen könnten die Kosten für die künstliche Beschneiung nicht länger allein tragen. Wolf: "Die Finanzierung gehört auf eine breitere Basis gestellt."

Die Diskussion um eine gerechte Kostenaufteilung reicht zurück in die Zeit des Schilling. Die Seilbahnunternehmen haben im vergangenen Jahrzehnt in Summe gut eine Milliarde Euro in Schneekanonen und die dazugehörige Infrastruktur investiert. Nutznießer wie Hoteliers und Gastronomen in Ferienregionen sollten mitzahlen, wird verlangt. Diese haben sich bisher aber standhaft gegen einen "Beschneiungsschilling" bzw. "Beschneiungseuro" gewehrt.

Destinationsholding

In letzter Zeit ist eine Annäherung zu beobachten. "Wir könnten uns Destinationsholdings vorstellen - eigene Gesellschaften, in denen Seilbahnen, Hoteliers und andere Tourismus-Institutionen Sitz und Stimme haben", sagte der Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung, Sepp Schellhorn. "Gemeinsam könnten wir die Destination dann auch im Sommer vermarkten."

Die Seilbahngesellschaften jedenfalls wollen die Diskussion versachlichen. In den nächsten Tagen soll eine Wertschöpfungsstudie vorgestellt werden, die erstmals die Umwegrentabilität schneesicherer Destinationen anhand konkreter Zahlen nachweist.

Allein für die Errichtung von Speicherseen sowie die Anschaffung von Wasserpumpen und Schneekanonen haben die 257 größeren Seilbahngesellschaften des Landes heuer rund 144 Mio. Euro budgetiert. Die Investitionskosten für die Errichtung einer Schneeanlage betragen je Hektar Pistenfläche zwischen 25.000 und 100.000 Euro.

Modell Gargellen

Insgesamt hat die Branche, die österreichweit 14.500 Mitarbeiter beschäftigt - davon 6000 ganzjährig -, heuer 512 Mio. Euro ausgegeben, den Löwenanteil für neue Aufstiegshilfen. Da die Preise der Tagesskipässe, die heuer um durchschnittlich sieben Prozent auf 35 bis teilweise 40 Euro erhöht wurden, kaum mehr Spielraum bieten, müssten dringend andere Finanzquellen angezapft werden, heißt es.

In Gargellen im Montafon ist dies gelungen. Dort tragen Hoteliers und Gastwirte im Rahmen einer eigenen Gesellschaft ihr Scherflein zur Finanzierung bei. "Allein hätten wir die 1,5 bis 1,8 Millionen Euro für die Beschneiungsanlage nicht aufbringen können", sagte der Geschäftsführer der dortigen Schafbergbahnen, Dietmar Lorenzin. "Alle Beteiligten profitieren." (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.11.2005)

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    Die Diskussion um eine gerechte Kostenaufteilung zwischen Seilbahn-Betreibern und Hoteliers reicht zurück in die Zeit des Schilling.

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