Ära Kartnig geht bei Sturm zu Ende

6. November 2005, 19:24
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Größte Erfolge unter dem polarisierenden Präsidenten - Designierter Nach­folger Platzer erbt "1,9 Millionen Euro" Schulden

Graz - Im Brauhaus Puntigam geht am Dienstag um 18:30 Uhr eine Ära zu Ende. Jene von Hannes Kartnig als Präsident des österreichischen Bundesligisten Sturm Graz. Nach 13 Jahren im Amt stellt sich "Zar Hannes", der mit zwei Meistertiteln und einem Gruppensieg in der UEFA Champions League als bis dato erfolgreichster Präsident in die steirische Fußball-Geschichte eingeht, bei der Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl.

Carlo Platzer soll nachfolgen

Als designierter Nachfolger gilt Spediteur Carlo Platzer, der schon unter Kartnig jahrelang als Vizepräsident und Kassier im Vorstand tätig war und am Wochenende seine sechs Namen umfassende Liste mit Wahlvorschlägen für das Präsidium präsentierte. "Über ihn gibt es nichts Negatives zu sagen. Er wäre eine gute Wahl", urteilte der scheidende Sturm-Boss, der dem Verein als Ehrenpräsident und auch als Sponsor erhalten bleiben soll. "Ich werde weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen und helfen, wo ich kann", versprach Kartnig.

Der Steirer, der seinen Rückzug von der Vereinsspitze mittlerweile als "definitiv" ansieht, hatte schon seit längerem auch laut über einen solchen nachgedacht. "Ich bin jetzt in einem Alter, in dem ich den vielen negativen Stress nicht mehr brauchen kann", begründete der 53-Jährige, der im Dezember 1992 in einer schweren sportlichen und finanziellen Krise das Präsidenten-Amt bei den Grazern übernommen hatte.

Zar und Visionär

Als "Retter von Sturm" sieht sich der Chef der Perspektiven-Werbung dennoch nicht: "Einer alleine ist gar nichts wert, aber ich kann Gott sei Dank auf eine Zeit mit Erfolgen zurückblicken." Die gab es während der Herrschaft von "Zar Hannes" bei Sturm tatsächlich in zuvor nie da gewesenem Ausmaß. "Meine Vision ist aufgegangen", blickt der oft wortgewaltige Kartnig nicht ohne Stolz zurück.

Nach zwei Cupsiegen (1996,1997) als Ouvertüre folgte nämlich 1998 der ganz große Coup: Als erste steirische Mannschaft überhaupt holte Sturm unter Trainer Ivica Osim, Manager Heinz Schilcher und Präsident Kartnig die Meisterschale nach Graz - mit mitreißendem Offensiv-Fußball und 19 Punkten Vorsprung auf Rapid. Einer erfolgreichen Titelverteidigung im Jahr darauf folgten in der Saison 2000/2001 auch internationale Schlagzeilen, als die Grazer als bis dato einziger österreichischer Gruppensieger in die zweite Champions-League-Phase aufstiegen und dort Dritter wurden.

Der Absturz des Überfliegers

Während der aktuelle Champion Rapid in der Königsklasse vergleichsweise noch punktelos ist, sind auch für Sturm die großen Zeiten vorbei. Die Champions-League-Einnahmen, brutto mehr als 20 Mio. Euro, waren rasch in unpassende Spieler gesteckt worden. Das Highlight: Der Rekord-Transfer des Ghana-Stürmers Charles Amoah für umgerechnet mehr als 3,5 Millionen Euro im Jänner 2001.

Heute hat Sturm Schulden, die Platzer übernimmt. "Wir haben 1,9 Millionen Euro Verbindlichkeiten", erklärte Noch-Klubchef Kartnig, der selbst für einen Teil davon haftet. "Aber als Fußball-Präsident weißt du, worauf du dich einlässt." Auch, dass es nicht immer den nötigen Respekt vor Leistungen, dafür umso mehr Neider gibt. "Es gab immer wieder Beleidigungen von unwissenden Menschen, die sehr tief gegangen sind. Leider stellen sich genau diese Unwissenden jetzt nicht ihrer Verantwortung, es besser zu machen", kritisierte der scheidende Sturm-Boss. (APA)

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    Hannes Kartnig schaffte mit Sturm den ersten Meistertitel.

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