Kissinger warnt vor Truppenabzug

9. November 2005, 07:42
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Früherer amerikanischer Außenminister: Würden Jihadismus auf der ganzen Welt Vorschub leisten

München/Wien - Der frühere Außenminister der USA, Henry Kissinger, hat sich entschieden dagegen ausgesprochen, die US-Truppen schon in naher Zukunft aus dem Irak abzuziehen. In einem Interview mit dem Münchner Magazin "Focus" sagte der 82-Jährige laut Vorausmeldung vom Sonntag: "Wenn wir uns jetzt aus dem Irak zurückziehen würden, würden wir dem Dschihadismus Vorschub leisten, und zwar auf der ganzen Welt." Die entscheidende Frage sei heute, ob man den Irak ohne eine Vision oder ein Konzept sich selbst überlassen dürfe.

Von den Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, wonach Israel von der Landkarte getilgt werden sollte, zeigte sich Kissinger laut "Focus" wenig überrascht. Der Iraner habe nur ausgesprochen, "was viele islamische Staatsführer privat denken, aber nicht öffentlich äußern". Die eigentliche Frage sei, wie man mit dem radikalen Islam umgehen sollte. Im Streit um das iranische Atomprogramm gehe es beispielsweise darum, "die richtige Mischung zwischen Anreizen und Druck zu finden und ein Forum zu schaffen, wo das diskutiert werden kann". Als Beispiel hierfür nannte Kissinger die Vorgehensweise im Fall Nordkorea.

Im Hinblick auf die Koalitionsverhandlungen in Berlin sprach Kissinger, der 1923 in Fürth geboren wurde und bis zu seinem 15. Lebensjahr in Deutschland lebte, im "Focus"-Interview von einer verwirrenden Situation, weil immer noch unklar sei, wohin die neue Regierung marschieren werde. "Viele von uns haben gehofft, dass sich nach den Wahlen in Deutschland ein kooperativeres Verhältnis zu Amerika entwickelt. Und das hoffen wir immer noch." (APA)

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