Der Ölreichtum kommt nur wenigen zugute

10. November 2005, 13:34
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Kaukasusstaat wählt neues Parlament - Demokratieentwicklung lässt mehr als zu wünschen übrig

Baku - Aserbaidschan zählt dank seiner bedeutenden Ölvorkommen zu den strategisch wichtigsten Ex-Sowjetrepubliken. Der einzige Staat im Kaukasus mit moslemischer Bevölkerungsmehrheit bemüht sich um eine Annäherung an Europa, die Türkei und die USA. Kritiker werfen Präsident Ilcham Alijew (Ilham Aliyev) vor, er unterdrücke die Opposition und lasse den Ölreichtum des Landes nur seinem engsten Umfeld zugute kommen. Alijew hatte das Präsidentenamt 2003 von seinem Vater Geidar Alijew (Heydar Aliyev), dem Staatsgründer, übernommen.

Das Land am westlichen Ufer des Kaspischen Meeres, so groß wie Österreich, war über Jahrhunderte Zankapfel zwischen Persern, Osmanen und Russen. Die aserbaidschanische Identität bewegt sich bis heute zwischen türkischer Sprache, iranisch-persischer Kultur und russischem Einfluss. Aserbaidschan ist Mitglied des Europarates.

Land der Ölquellen und der Feuertempel

Die Heimat der Azeris gilt als Land der Ölquellen und der Feuertempel. Der Feuerkult geht auf die Lehren des iranischen Propheten Zarathustra zurück, der auch im heutigen Aserbaidschan noch Anhänger hat. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelten die Erdöl- Pioniere Rothschild und Nobel Baku zu einem Zentrum der Förderindustrie.

Seit dem Zerfall der Sowjetunion steckt das Konfliktgebiet Berg-Karabach (Nagorny-Karabach) wie ein Stachel im aserbaidschanischen Fleisch. Mit russischer Hilfe gelang es den Armeniern Anfang der 1990er Jahre, die moslemische Bevölkerung aus der aserbaidschanischen Enklave zu vertreiben. Das ungeklärte Schicksal der fast eine Million Flüchtlinge aus Berg-Karabach zählt bis heute zu den größten Problemen in Aserbaidschan.

Während die Wirtschaft einen rasanten Aufschwung erlebt, hinken demokratische Fortschritte deutlich hinterher. Bei Pressefreiheit und Korruptionsbekämpfung belegt Aserbaidschan weltweit einen der letzten Plätze. Der Ölboom lässt breite Bevölkerungsschichten außen vor. Nach Schätzungen arbeiten etwa drei Millionen der insgesamt acht Millionen Aserbaidschaner im Ausland, die meisten von ihnen in Russland. (APA/dpa)

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