UN-Experten bestehen auf Zugang zu Gefangenen in Guantanamo

10. November 2005, 09:52
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Kommissionschef: Sonst werden wir auf Besuch verzichten - Über 40 Araber dürfen Guantánamo verlassen

Elseneur - Die von den USA in das Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba eingeladenen UN-Menschenrechtsexperten bestehen darauf, bei ihrem Besuch auch Zugang zu Häftlingen zu erhalten. "Ich glaube, Herr Rumsfeld wird verstehen, dass wir auf diese Forderung unter keinen Umständen verzichten können", sagte der Chef der UN-Expertenkommission, der Österreicher Manfred Nowak, am Samstag am Rande einer Veranstaltung in der Nähe der dänischen Hauptstadt Kopenhagen.

Eine Ausnahme für die USA könne nicht gemacht werden. "Wenn wir in ein Gefangenenlager gehen, ohne Häftlinge zu interviewen, würde dies eine gefährliche Botschaft an die Regierungen anderer Länder aussenden", fügte Nowak hinzu. "Wir sind keine Touristen und akzeptieren keine geführte Tour". Die Kommission erwarte, mit etwa zwanzig Gefangenen sprechen zu dürfen.

US-Verteidigungsminister Rumsfeld hatte den Sonderberichterstattern vor wenigen Tagen mitgeteilt, sie würden keinen Zugang zu Häftlingen erhalten. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) habe schon Zugang zu diesen Gefangenen, begründete er das Verbot. Kurz zuvor noch hatte das Verteidigungsministerium die UNO zum Überprüfen der Haftbedingungen eingeladen.

Über 40 Araber dürfen Guantánamo verlassen

Mehr als 40 in Guantánamo einsitzende arabische Häftlinge werden nach Angaben eines kuwaitischen Menschenrechtlers demnächst freigelassen. Eine Gruppe von Bahrainern und mehr als 40 Saudiaraber würden bald in ihre Heimatländer gebracht, sagte am Samstag Menschenrechtler Khaled el Udah in Kuwait-Stadt der Nachrichtenagentur AFP. Diese Information stamme aus "seriöser Quelle".

Udah ist der Leiter einer Vereinigung von kuwaitischen Angehörigen von Guantánamo-Häftlingen. Bahrein hatte am Freitag angekündigt, drei seiner sechs in Guantánamo einsitzenden Staatsbürger würden "sehr bald" freigelassen.

500 Gefangene

In Guantánamo auf Kuba werden rund 500 Menschen festgehalten. Die meisten der Gefangenen werden von der US-Armee verdächtigt, Mitglieder des Terrornetzwerks El Kaida oder der afghanischen Taliban-Miliz zu sein. Viele sitzen dort seit 2002 ein. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden bisher 252 Häftlinge freigelassen oder verlegt. Am 6. Dezember soll eine Gruppe von UNO-Experten, darunter der Wiener Menschenrechts-Professor Manfred Nowak, die Haftbedingungen in Guantanamo prüfen. (APA)

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