Freihandelszone ALCA vorerst gescheitert

Redaktion, 06. November 2005 20:30

Mercosur-Gruppe blockiert von USA geforderte gesamtamerikanische Freihandelszone - Treffen von heftigen Protesten begleitet - 80 Festnahmen

Mar del Plata - Die von den USA angestrebte gesamtamerikanische Freihandelszone ist nach dem vierten Amerika-Gipfel in Argentinien in weite Ferne gerückt. Die 34 Teilnehmerstaaten konnten sich in dieser Frage bei ihrem zweitägigen Treffen auf keine gemeinsame Linie verständigen. Nach langem Ringen unterzeichneten sie ein Dokument, in dem die divergierenden Ansichten zu der Freihandelszone (ALCA bzw. FTAA) dargelegt werden. Der Gipfel war zeitweise von heftigen Protesten gegen die USA überschattet.

In der Abschlusserklärung bekunden die Teilnehmer nach Angaben des argentinischen Außenministers Rafael Bielsa ihren Willen zur Bekämpfung der Armut. Nach zähem Ringen einigten sie sich zudem auf ein ergänzendes Dokument, in dem die Staaten ihre unterschiedlichen Standpunkte zur FTAA festhalten. 29 Staaten erklären darin, die Verhandlungen über eine von Alaska bis nach Argentinien reichende Freihandelszone im Jahr 2006 wieder aufnehmen zu wollen. Der so genannte Mercosur-Block aus Brasilien, Argentinien, Uruguay, Paraguay und Venezuela will hingegen die Ergebnisse der Welthandelsrunde in Hongkong im Dezember abwarten. Diese Staaten lehnen die FTAA unter anderem wegen der bestehenden US-Handelsbeschränkungen im Agrarbereich ab.

Gute Miene

Seine Regierung sei mit dem Verlauf des Gipfels zufrieden, auch wenn es "zwei Ansichten" zum Thema Freihandelszone gebe, sagte Bielsa. US-Sicherheitsberater Stephen Hadley äußerte sich ebenfalls positiv. In Bezug auf die von Washington gewünschte Ausweitung des Handels habe das Treffen Fortschritte gebracht, sagte Hadley an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. Bei den Gesprächen über die Freihandelszone hätten die Gipfelteilnehmer auch "deren Möglichkeiten" gesehen. "Das ist ein echter Fortschritt."

Das Treffen im Badeort Mar del Plata war vor allem am Freitag von gewaltsamen Protesten gegen die USA und ihren Präsidenten George W. Bush überschattet gewesen. Rund 40.000 Menschen versammelten sich zunächst in einem Stadion zu einer friedlichen Kundgebung mit zahlreichen prominenten Rednern, unter ihnen auch Fußball-Idol Diego Maradona. Später gab es nahe dem Tagungshotel jedoch Ausschreitungen von rund 300 Demonstranten, bei denen die Polizei Tränengas einsetzte. Die Demonstranten zerschlugen Scheiben von US-Fastfood-Ketten und setzten eine US-Bankfiliale sowie ein Dutzend Geschäfte in Brand. Mehr als 80 Menschen wurden festgenommen. Am Samstag konnte der Gipfel ohne Zwischenfälle fortgesetzt werden.

Gespannte Stimmung

Die Stimmung unter den auf dem Gipfel vertretenen Staatschefs war zeitweise gespannt. Bush und der venezolanische Präsident Hugo Chavez gingen einander demonstrativ aus dem Weg. Chavez hatte vor dem Gipfel angekündigt, die geplante Freihandelszone werde dort zu Grabe getragen. Der brasilianische Präsident Luiz Inacio "Lula" da Silva kritisierte, dass das Thema überhaupt auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Ursprünglich habe sich der Gipfel um "drei Themen" drehen sollen: "Arbeitsplätze, Arbeitsplätze und Arbeitsplätze. Von der FTAA war keine Rede." Der mexikanische Präsident Vicente Fox befürwortete hingegen Gespräche über die Freihandelszone, die seiner Ansicht nach einen einheitlichen Rahmen für den Handel auf dem amerikanischen Kontinent schaffen soll.

Bush vorzeitig abgereist

Bush reiste bereits Stunden vor dem offiziellen Abschluss des Gipfels nach Brasilien weiter, wo er mit Lula ebenfalls über Handelsthemen und die UNO-Reform sprechen wollte. In Sao Paulo protestierten nach lokalen Medienberichten aus Anlass des Bush-Besuchs rund 1.000 Menschen gegen die US-Regierung. Im Anschluss an seinen Brasilien-Besuch sollte der US-Präsident nach Panama weiterfliegen. (APA)

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Sebastian Spanner1985
06.11.2005 14:55
das einzige

was hier dümmlich ist, sind diese kommentare hier.
gottseidank machen standard-leser keine politik. der eintrag von marxman hat mir gut gefallen, es gibt tatsächlich diese "nationalistische" eigentlich nationale befreiungsbewegung.
und zu w h: so super toll gehts den mexikanern in der NAFTA auch ned...

w h
06.11.2005 20:06
sag ich ja eh

w h
06.11.2005 13:57
typisch Fox

Ex Lateinamerika Coca Cola Manager alter Schule.
Mexico geht es ja blendend in der Freihandelszone, demnächst wird auch ein schöner Gartenzaun mit Selbstschußanlage installiert an der US-Grenze. Die Indigenas und andere Mais Produzenten wurden in den Ruin getrieben, durch billigen US-Gen-Mais! Weiter gehts mit den Bohnen, usw. Und es sind ja auch nicht auszuhalten diese Misstände, wieso gibts überhaupt noch irgend etwas nicht Privatisiertes und den Multis in den Rachen Geworfenes in Latein Amerika? Er wird wohl, wie viele bisherigen mexicanischen Präsidenten, ins US Exil gehen nach Amtsende. Wenn er ganz brav ist wird er noch belohnt. Der letzte Salinas de Gotary bekam einen chicken Weltbank Direktorenposten für den Freihandelsvertrag.

manfred maier
manfred maier
06.11.2005 12:47
bush mit leeren händen......

...bleibt zu hoffen, dass auch die iraker die botschaft verstehen.

friendly fire
 
06.11.2005 18:57
Sie reden...

...von den radikalislamistischen Terroristen??

manfred maier
manfred maier
06.11.2005 19:33
soweit ich weiss....

...ist bsu kein muslim.
der rest ihrer ausführungen stimmt in bezug auf ihn.
ps: nciht nur leere hände, hoffentlich haben die keute auch seine taschen druchsucht.....

Peter Noll
06.11.2005 10:29
Da haben sich zwei Spezialisten getroffen...

....der dumbe Rechtspopulist George W.Bush und der dümmliche Linkspopulist Hugo Chavez.

Georgii Sakaschwilli
06.11.2005 12:09
Der dritte Peter Noll war verhindert

supaleo
06.11.2005 13:40
der war gut!!

Weebes
06.11.2005 11:35

Den hugo nennt der orf: Linksnationalist! so bitte du armer schubladen mensch, check das mal.

dr. kokos
 
06.11.2005 18:10

was aber auch völlig falsch ist. gerade chávez zeichnet sich durch internationales engagement aus und will ganz lateinamerika und die karibik in seine politik mit einbeziehen.

tiuri
 
06.11.2005 11:49
sozusagen ein nationaler sozialist,

aber kein nationalsozialist. das wird einige (konservative) menschen hier völlig überfordern, das zu unterscheiden...

Marxman
06.11.2005 13:17

In Südamerika hat Nationalismus eine andere Bedeutung als in Europa. Dort hast auf jeder linken Demo Nationalflaggen des jeweilgen Landes en masse. Viele Linke beziehen sich gegen den US-Imperialismus mehr oder weniger positiv auf den Nationalismus des eigenen Landes. Aber natürlich sind die südamerikanischen Länder auch keine homogenen Gesellschaften, auch dort gibt es AusbeuterInnen und Ausgebeutete.

tiuri
 
06.11.2005 20:32
gratuliere michi, du hast dich als nicht konservativ bewiesen ;)

w h
06.11.2005 14:29
Die Flaggen...

...haben ja geschichtlich auch die Bedeutung Ende der Kollonie - Unabhängigkeit!
Außerdem gute Symbole gegen das im neoliberalen Globalisierungsgewand daher kommenden Freihandelsabkommen, welches eine Art wirtschaftlichen Neo-Kollonialismus darstellt.

mr smoky
mr smoky
06.11.2005 11:51

sicher das da ein unterschied besteht?

Walter Tiefentaler
06.11.2005 11:06
propaganda...

wahrscheinlich sind die medien schuld an ihrer einschaetzung. bush ist - obwohl eine marionette - nicht so dumb wie wir glauben und chavez ist sicher alles andere als duemmlich. leider muessen beide - zwecks machterhalt - lobbies bedienen, die keinesfalls aus guten onkels bestehen.

smeki
06.11.2005 11:34

wobei die lobbies des herrn bush eine kleine elite mit viel geld und verbrecherischen ideen, sowie die riesenkonzerne sind, die lobby von chavez ist sein volk - ersteres hat die bekannt zerstörerischen, und ausbeutenden erscheinungen zur folge, zweiteres finde ich hingegen genau gar nicht verurteilenswert

holodoc himself
 
06.11.2005 09:26
Bravo Lateinamerica!

Ihr habt wenigstens verstanden, daß Freihandel nur unter gleichen Staaten Vorteile bringt.

Wir in Europa waren leider zu dumm. Hierzulande gibt es einen ruinösen Steuerwettlauf nach unten und marodierende Unternehmen die sich immer dort ansiedeln wo die Steuern und Löhne, sowie Umwelt- und Arbeitnehmerschutzgesetze am geringsten sind.

Das verhindert Innovation und macht die Menschen dort arbeitslos, wo es Sozialsystem gibt. In den Flat-Tax regionen werden nie welche entstehen.

Arbeitslosigkeit hat eine Ursache: Freihandel!

yomellamo
06.11.2005 15:41
natürlich...

... ohne EU würde es den sozialsystemen der europäischen Ländern perfekt gehen, die Pensionen wären gesichert, die Firmen würden wachsen wachsen wachsen. Alle würden eine 20-Stunden-Woche bei doppeltem Lohnniveau haben und mit dem Binnenkonsum in Österreich hätten wir statt den Chinesen die IBM-PC-Sparte kaufen können und Procter&Gamble wäre auch schon ein österreichischer Konzern.

- träum weiter...

holodoc himself
 
07.11.2005 08:51
Klischeehafte Vorstellungen ...

.. haben Sie!

yomellamo
06.11.2005 16:18
wobei ich kein Plädoyer für Bushs Freihandel halten will..

... schließlich ist seine Definition von Freihandel, dass die USA alles ohne Beschränkung überall verkaufen kann und die anderen nichts ohne Beschränkungen in den USA verkaufen können. Unterstützt wird die Schieflage dann noch durch großzügige Subventionen an die US-Agrarindustrie.

dr. kokos
 
06.11.2005 18:13

vielleicht hat ja auch holodoc weniger den freihandel innerhalb der eu gemeint, sondern eher die sogenannte globalisierung.

das problem bei uns ist ja weniger, dass die "marodierenden unternehmen" (lustiger ausdruck) innerhalb der eu migrieren, sondern dass sie nach fernost gehen.

und das killt unsere arbeitsplätze, das liegt auf der hand.

smeki
06.11.2005 11:52

ganz richtig, und vor allem: besonders entwicklungs- und schwellenländern sollte man zuerst das recht zugestehen,die eigene wirtschaft geschützt, daher eigenständig entwickeln zu lassen. freihandel wie von den usa gewünscht, soll den konzernen den zugang zu neuen 'ausbeutungsgebieten' schaffen, die gewinne dieser konzerne weitererhöhen und bringt der einheimischen bevölkerung doch nichts. die konzerne sorgen nicht für den aufbau eines funktionierenden bildungs-, gesundheitssystems und für die daraus folgenden posivitiven entwicklungen. im gegenteil, ein garant für die förderung einer kleinen oberschicht und der verarmung der 'gewöhnlichen' bevölkerung

Peter Noll
06.11.2005 10:33
Freihandel?

Der eine liefert Kaffee, der andere Baumwolle. Und daraus werden IBM-Computer. Aha. Ein gerechter Freihandel ist die einzige Chance für Südamerika. Ihre Ferndiagnosen sind haarsträubend.

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