Rüge des Papstes an österreichische Bischöfe

9. November 2005, 14:15
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Benedikt XVI. hält in Österreich Trendwende für nötig - Wegen schwindender Identifikation mit Lehre der Kirche in Österreich

Vatikanstadt - Papst Benedikt XVI. sieht "schmerzliche Tatsachen" in der katholischen Kirche in Österreich. Bei der Gemeinschaftsaudienz mit den österreichischen Bischöfen im Rahmen des Ad-limina-Besuches sagte er, "der für Europa zur Zeit immer noch signifikante Säkularisierungsprozess hat auch an den Toren des katholischen Österreich nicht Halt gemacht. Die Identifikation mit der Lehre der Kirche schwindet bei vielen Gläubigen und damit löst sich das Glaubenswissen auf und die Ehrfurcht vor den Geboten Gottes nimmt ab."

Weiters heißt es in der Papst-Rede vor den Bischöfen, die vom Presseamtes des Heiligen Stuhls im Bulletin am Samstag veröffentlicht wurde: "Es gibt Themen - im Bereich der Glaubenswahrheit und vor allem im Bereich der Sittenlehre - , die in Euren Diözesen in Katechese und Verkündigung nicht ausreichend präsent sind, die manchmal, zum Beispiel in der pfarrlichen oder verbandlichen Jugendpastoral, gar nicht oder nicht eindeutig im Sinn der Kirche zur Sprache kommen." Eine "verstümmelte" Glaubensunterweisung sei "ein Widerspruch in Sich" und könne "auf Dauer nicht fruchtbar sein".

Missionarischer Auftrag

Benedikt der XVI. appellierte an die Bischöfe, alles zu unternehmen, "damit die Kirche in Österreich ihrem missionarischen Auftrag noch besser gerecht wird". Er appellierte an die österreichischen Bischöfen im Rahmen des Ad-limina-Besuches, eine "Trendwende" in der katholischen Kirche Österreichs herbeizuführen. Lobende Worte gab es vom Heiligen Vater für die Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche.

"Heilmittel"

Als "Heilmittel" gab der Papst den Bischöfen diese Empfehlung mit: "Zweifellos bedarf es einerseits des klaren, mutigen und begeisterten Bekenntnisses des Glaubens an Jesus Christus, der auch hier und heute in seiner Kirche lebt und in dem die ihrem Wesen nach auf Gott ausgerichtete menschliche Seele allein ihr Glück finden kann. Andererseits sind es die vielen kleinen und großen missionarischen Maßnahmen, die wir setzen müssen, um eine 'Trendwende' herbeizuführen."

Eifer

Weiters empfahl der Papst, "mit Eifer" den Katechismus der Katholischen Kirche zu nützen: "Sorgt dafür, dass alle Priester und Katecheten dieses Werkzeug verwenden, dass es in den Pfarren, Verbänden und Bewegungen erklärt, in Glaubensrunden besprochen und in den Familien als wichtige Lektüre zur Hand genommen wird. Gebt in den Ungewissheiten dieser Zeit und Gesellschaft den Menschen die Gewissheit des unverkürzten Glaubens der Kirche. Die Klarheit und Schönheit des katholischen Glaubens sind es, die das Leben der Menschen auch heute hell machen! Dies wird besonders dann der Fall sein, wenn er von begeisterten und begeisternden Zeugen vorgelegt wird."

Gottes Wort

Bischöfe müssten "mit Bedacht handeln", so der Heilige Vater. "Aber solche Umsicht darf uns nicht daran hindern, Gottes Wort in aller Klarheit darzulegen - auch jene Punkte, die man meist weniger gern hört oder die mit Sicherheit Reaktionen des Protestes, mitunter auch Spott und Hohn hervorrufen."

"Er will unser Herz"

Lobende Worte kamen zum Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Österreich: "Die weitgehend gute Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirche zum Segen der Menschen prägen das Bild der Kirche Österreichs ebenso wie die Fülle der kulturellen Reichtümer der durch und durch christlichen Geschichte Eures von Gott so vielfach gesegneten Landes." An vielen Ansatzpunkten könne sich der "Funke christlichen Eifers neu entzünden", so der Papst. "Nützt alle diese Gaben, wo Ihr nur könnt, aber gebt Euch nicht mit einer äußerlichen Religiosität zufrieden. Gott genügt es nicht, dass sein Volk ihn mit den Lippen ehrt - er will unser Herz." (APA)

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    Benedikt XVI.: Säkularisierungsprozess hat an den Toren des katholischen Österreich nicht Halt gemacht.

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