Fukuyama: Ende des "Endes der Geschichte"

5. November 2005, 15:08
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US-Politologe tritt in neuem Buch für starken Staat ein - These: Schwäche des Staates für die größten Übel verantwortlich

Wien/Buenos Aires - Der durch sein Buch "Das Ende der Geschichte" bekannt gewordene US-Politologe Francis Fukuyama (53) fordert eine "Stärkung des Staates". In seinem neuen Buch "State-Buildung - Governance and World Order in the 21st Century" ("Staatsbildung - Regierungsführung und Weltordnung im 21. Jahrhundert") stellt der als Ikone des Neoliberalismus geltende Fukuyama die These auf, die Schwäche des Staates sei für die größten Übel verantwortlich: "Armut, Aids, Drogen, Terrorismus".

Gegensätze

Im Vorfeld eines Besuchs in Argentinien, wo er in der kommenden Woche an einem Seminar über die Gegensätze zwischen den USA und Lateinamerika teilnehmen wird, veröffentlichte die argentinische Zeitung "Clarin" in ihrer Online-Ausgabe ein Interview mit Fukuyama. Darin sprach er über die Fehler bei der Anwendung neoliberaler Programme etwa in Chile unter der Pinochet-Diktatur oder in Argentinien unter Ex-Präsident Carlos Menem. Zudem zeigte er sich pessimistisch über die weitere Entwicklung im Irak.

Modernisierungsprozess

Zugleich kündigte Fukuyama eine überarbeitete Ausgabe seines nach dem Zusammenbruch des Sowjetkommunismus verfassten Werks über das angebliche "Ende der Geschichte" an. "Es war immer meine Absicht, eher eine Frage zu stellen als eine Erklärung abzugeben", so Fukuyama. Eine Frage etwa laute, ob der Modernisierungsprozess in eine oder mehrere Richtungen weise.

Natur

Zur Situation im Irak meinte der Politologe: "Ich bin ziemlich pessimistisch, weil ich glaube, dass es keinen Konsens über die grundsätzliche Natur dieses Landes gibt". Fukuyama erinnerte in diesem Zusammenhang an die Ablehnung der neuen Verfassung durch die Sunniten. Dies sei kein gutes Signal für die Zukunft. Allerdings wolle er auch nicht verzweifeln, weil es in diesen Monaten die Möglichkeit gebe, die Sunniten doch noch von der Annahme der Verfassung zu überzeugen. (APA)

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