Offensive "Steel Curtain": "Mehr Widerstand als erwartet"

9. November 2005, 16:48
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Rund 3.500 Soldaten im Einsatz - Straßenkämpfe in Hussaibah - CNN-Reporter berichtet von dutzenden Toten in Kusajba

Bagdad - Im Irak hat unter Beteiligung von rund 3.500 US-amerikanischen und irakischen Soldaten eine der größten Offensiven seit Jahresbeginn gegen Aufständische im Westen begonnen. Die Truppen sind dabei am Wochenende auf heftigen Widerstand gestoßen. In der Stadt Hussaibah an der Grenze zu Syrien kam es zu Häuserkämpfen, wie ein Reporter der "New York Times" berichtete. "Wir sind auf mehr Widerstand gestoßen, als ich erwartet habe", sagte der US-Hauptmann Conlon Carabine. Bis zum Samstagabend hatten die unter amerikanischem Befehl stehenden Truppen erst wenige Stadtteile unter ihre Kontrolle bringen können.

Am zweiten Tag einer Großoffensive lieferten sich US- und irakische Soldaten im Westen des Iraks Straßenschlachten mit Aufständischen geliefert. Einen Bericht eines CNN-Reporters, nach dem dutzende Rebellen in der Region Anbar getötet und 50 weitere festgenommen worden seien, bestätigten die Militärbehörden am Sonntag nicht.

Es habe in der Stadt Kusajba nahe der Grenze zu Syrien nur sporadischen Widerstand gegeben, teilten sie mit. Die Aufständischen hätten auf das Vorgehen der etwa 3500 Soldaten mit Gewehrsalven und provisorischen Bomben geantwortet. Brigade-General Donald Alston zufolge gab es keine Toten unter Soldaten und Zivilisten. Die Offensive ist die größte im Westen des Iraks seit einem Jahr.

Unterstützt von Panzern und Flugzeugen zogen die Soldaten durch die verwaisten Straßen Kusajbas und durchsuchten Haus für Haus nach Al-Kaida-Kämpfern. Augenzeugen zufolge feuerten schwarz maskierte Aufständische aus Fensteröffnungen auf die Soldaten. Oberstleutnant Dale Alford sagte CNN, einige Aufständische hätten sich in Schulen und Moscheen verschanzt. Kampfflugzeuge warfen bei neun Luftangriffen 500-Pfund-schwere Bomben ab.

"Operation Steel Curtain"

Ziel der Offensive mit der Bezeichnung "Operation Steel Curtain" ist es, die wichtige Straßenverbindung entlang des Euphrat zu sichern und das Einsickern von ausländischen Kämpfern aus Syrien zu stoppen. In Erwartung der Offensive hatte ein Teil der rund 30.000 Einwohner die Stadt Hussaibah offenbar schon vor der Ankunft der US-Truppen verlassen. Mit der Militäroperation solle die Sicherheit vor der für den 15. Dezember geplanten irakischen Parlamentswahl verbessert werden, erklärten die US-Streitkräfte. Der irakische Zweig des Terrornetzwerks Al-Kaida hatte alle im Irak tätigen ausländischen Diplomaten zum Verlassen des Landes aufgefordert. Andernfalls riskierten sie ihr Leben.

Zivilisten getötet

Die Offensive fiel zusammen mit den Feiern zum Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan. Sprecher der sunnitischen Bevölkerung beklagten, bei dem Einsatz würden Zivilisten getötet. Die überwiegend sunnitische Provinz Anbar war seit Beginn der US-geführten Invasion Schauplatz einiger der erbittertsten Auseinandersetzungen mit den Rebellen. Zu den Spannungen trug am Samstag bei, dass ein hochrangiger sunnitischer Vertreter in Bagdad bei einem Angriff verletzt wurde.

Eine Delegation der Arabischen Liga unter Leitung des Algeriers Ahmed Ben Helli traf unterdessen zu Gesprächen mit der irakischen Regierung in Bagdad ein. Der irakische Ministerpräsident Ibrahim al-Jaafari hatte auf den Vorschlag des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amr Mussa, eine "Konferenz der Nationalen Eintracht" abzuhalten, ablehnend reagiert. Außenminister Hoshyar Zebari erklärte, eine Beteiligung vormals baathistischer Persönlichkeiten an einer solchen Konferenz sei ausgeschlossen.

Straßensperren

Die Truppen errichteten Straßen- und Grenzsperren bei Hussaibah. Fernsehbilder zeigten zahlreiche zerstörte Häuser und Geschäfte in der nahe gelegenen Stadt Kaim. Wände waren mit Einschusslöchern übersät, Autos ausgebrannt. "Die Amerikaner zerstören Kaim. Unsere Häuser sind kaputt, unsere Kinder werden getötet. Was sollen wir jetzt machen?", sagte ein Bewohner. Bewohner sprachen von dutzenden Toten und Verletzten. (APA/Reuters)

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