Novell verabschiedet sich von Dual-Desktop-Strategie

10. November 2005, 14:57
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Konzentration auf GNOME in den Produkten der Firma - Zahlreiche falsche Gerüchte derzeit im Umlauf

Im Gefolge der von Novell angekündigten Entlassungen von etwas mehr als 10 Prozent seiner Angestellten - in konkreten Zahlen ist das der Wegfall von ca. 600 Jobs - wird derzeit in der Community recht heftig über die Auswirkungen der Umstrukturierungen spekuliert. Ausgehend von einem Artikel auf LinuxToday sehen manche gar das Ende des Desktop-Engagements von Novell gekommen.

Infos

Laut dem WebStandard vorliegenden Informationen aus Firmen-Kreisen - die sich auch weitgehend mit der Recherche von eweek decken - ist von einem Ende von Novells Desktop-Produkten in keinster Weise zu sprechen. Was allerdings stimmt, ist, dass Novell im Zuge der Kostenreduktionen von seiner bisherigen Dual-Desktop-Strategie - GNOME und KDE werden gleichberechtigt ausgeliefert - abgeht, in Zukunft will man sich bei seinen Enterprise-Produkten ganz auf den GNOME konzentrieren.

Business

Die Entscheidung sei zwar nicht leicht gefallen, und alle hätten lieber beide Desktops weiter unterstützt, aber gerade angesichts der anstehenden Kürzungen mache dies in wirtschaftlicher Hinsicht schlicht keinen Sinn. Der Desktop bleibe aber ein zentrales Element der Novell-Strategie, so Greg Mancusi-Ungaro, Marketing-Chef des Unternehmens. Diese Richtungsänderung bei Novell bezieht sich übrigens nur auf die Enterprise-Produkte, im Rahmen des Community-Produkts openSUSE soll KDE natürlich weiterhin mit ausgeliefert werden, eigene EntwicklerInnen wird man dafür allerdings kaum mehr abstellen.

FUD

Viel der Verunsicherung ist auch daraus entstanden, dass über Weblogs einzelne EntwicklerInnen darüber berichtet haben, dass sie nicht mehr für Novell arbeiten. Angesichts dessen, dass die meisten davon ausgegangen waren, dass das Linux-Business von den Kürzungen unberührt bleiben würde, entstanden eine Reihe von Gerüchten. Ihren Höhepunkt fanden diese im erwähnten LinuxToday-Artikel, der behauptet, dass unter anderem die Evolution und Mono-Teams schwer getroffen worden wären, das Hula-Team praktisch nicht mehr existiere.

Hula und Co.

Einzig in Bezug auf Evolution verbirgt sich ein Kern Wahrheit dahinter, man habe EntwicklerInnen für andere Projekte abgezogen, da die Groupware-Lösung bereits recht vollständig sei, so Mancusi-Ungaro. Der Wahrheit am fernsten ist hingegen die Aussage über das Hula-Team, zwar habe es eine Entlassung gegeben, andererseits habe man aber auch einen neuen Entwickler aus einer anderen Abteilung hinzu bekommen - alles in allem also ein Nullsummenspiel. Auch die Entwicklung der freien .Net-Alternative Mono sei weitgehend unbeeinträchtigt.

Einschränkung

Allgemein seien die Kürzungen in den Linux-Bereichen deutlich geringer als bei den anderen Sparten des Unternehmens angefallen, heißt es. Es handle sich dabei lediglich um eine Refokusierung der einzelnen Abteilungen, das freie Betriebssystem solle auch in Zukunft klar im Mittelpunkt der Novell-Strategie stehen. Dies zeigt sich übrigens ausgerechnet auch am SUSE-Standort Nürnberg, trotz der Entscheidung zugunsten von GNOME seien hier nicht einmal eine Handvoll der mehr als 200 EntwicklerInnen entlassen worden. Die Verärgerung mancher rührt wohl vor allem auch daraus, dass sich unter den Betroffenen ein KDE-Kernentwickler befunden hat - dieser hat aber bereits angekündigt unabhängig weiter an dem Desktop-Projekts arbeiten zu wollen. (apo)

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