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11. November 2005, 12:16
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Erwin Wurm fragt in der Galerie Krinzinger "Am i a House?"

Wien - Nun ist es auch schon wieder lange her, dass Erwin Wurm die Minutenskulptur erfunden hat. Egal. Ein Logo ist ein Logo. Und die Gelegenheiten sind oft günstig, daraus Kapital zu schlagen. Aber eigentlich ist er ja Bildhauer, liegen seine Wurzeln nicht im flüchtigen Umsetzen von launig gegebenen Handlungsanweisungen, sondern im materialintensiven Anspruch auf Ewigkeit.

Und so kam es schon am Rande der vergangenen Biennale von Venedig zu einer Ausstellung Wurms im dortigen Guggenheimmuseum, die eigentlich keine Ausstellung war, sondern vielmehr ein Anlass, für wenige Stunden nur auf der renommierten Terrasse Cocktails zu schlürfen - nebst einer Performance und wenigen plastischen Arbeiten auf herkömmlichen Sockeln.

Auch egal, die Einladung vermerkte Guggenheim nebst Wurm, und nur darum geht es ja im Kunstgeschäft. Gespickt mit ein paar Code-Wörtern wird die Hardware zur begehrten Ware. Und dahingehend war echt nahe liegend, nicht nur ein Auto zum Fat-Car aufzublasen, sondern im selben Zug auch gleich dem New Yorker Guggenheim ein paar Schwarten umzubinden. Weil: Wiedererkennungswert garantiert! Und: Lustig ist jetzt schon, dass die Fettleibigkeit des Guggenheim so dominant in der Assoziationskette mit dem Autor des Übermaßes steht, dass die Marke auch ganz ohne Peggy auskommt. Und also fragt Erwin Wurm keck all jene, die seine Ausstellungen - im Moment gerade bei Krinzinger - besuchen: Am I a House?

Und dann kann man schon wehmütig werden. Weil: Wurms Frage, ob denn jeder ein Terrorist wäre, der sich jetzt seinen Rollkragen über das Gesicht zieht, bzw. ob die Angst vor den Vermummten überhaupt zwischen Terrorist und Künstler unterscheidet, war 1999 echt erfrischend inkorrekt. Nur verfestigt, gegossen, kommt der Schmäh nicht wirklich rüber. "Ein echter Wurm!" freut sich zwar der potente Sammler, aber jenen, für die Wertsteigerung aus Bestemm heraus immer noch Nebensache ist, wird womöglich schlagartig fad.

Von Markus Mittringer

Bis 11. 11.
  • "Fantasize
about
Nihilism"
    foto: erwin wurm

    "Fantasize about Nihilism"

  • Artikelbild
    foto: krinzinger
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