Ein Sparmeister und Gagendrücker

4. November 2005, 20:17
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Ioan Holender agiert kostenbewusst

Seit gut einem Jahrzehnt beträgt die Basisabgeltung für die Bundestheater inklusive der Holding 133,6 Millionen Euro. Im Gegensatz zur Volksoper und zum Burgtheater hat die Staatsoper, die aufgrund eines Verteilungsschlüssels 51,5 Millionen Euro und damit das größte Stück vom Kuchen erhält, aber nach wie vor keine gröberen finanziellen Probleme. Denn Direktor Ioan Holender ist nicht nur höchst erfolgreich (die Sitzplatzauslastung wurde in den letzten vier Saisonen von 93,7 auf unglaubliche 97,2 Prozent gesteigert), sondern auch ein Meister der Sparsamkeit.

Um beruhigt Schlafen zu können, hat Holender sogar einen finanziellen Polster, den ihm die anderen Direktoren, Klaus Bachler (Burg) und Rudolf Berger (Volksoper) gerne streitig gemacht hätten. Denn die Reserven in der Höhe von 5,6 Millionen Euro waren mit ein Grund dafür, dass der Finanzminister eine Erhöhung der Basisabgeltung ablehnte.

Dass sein betont kostenbewusstes Agieren von der Politik permanent bestraft wird, empfindet Holender als höchst ungerecht. Bereits 2001 sagte er gegenüber dem STANDARD: "Ich kann die Gagen nicht ewig drücken. Es ist so, dass etwa die Spitzengagen in München um 70.000 Schilling über dem Wiener Niveau liegen. Irgendwann werde ich gewisse Sänger nicht mehr bekommen. Das kann nun wirklich nicht sein!" Andererseits weiß er ganz genau, dass es die Sänger auch deshalb gerne billiger geben, weil es eine besondere Ehre ist, in der Staatsoper auftreten zu dürfen.

Die Abendgagen für Dirigenten und Sänger liegen bereits seit Holenders Amtsantritt 1992 bei maximal 15.000 Euro (diese Obergrenze gilt zum Beispiel auch für Thomas Hampson); nur ganz wenige Stars wie Neil Shicoff erhalten mehr. Zudem ging Holender, der selbst Talente aufbaut, eher restriktiv im Verpflichten der großen Tenöre um: "Die Leistung eines Sängers ist mir wichtiger als sein Name." (DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.11.2005)

Von Ljubisa Tosic und Thomas Trenkler
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    Ioan Holender: "Sänger sind nicht belastbarer geworden, auch wenn das manche glauben. Im Gegenteil."Foto: Hendrich

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