Chávez wirbt für Allianz gegen Armut

4. November 2005, 19:19
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Venezolanischer Präsident greift Idee John F. Kennedys auf - Konfrontation mit US-Präsident George W. Bush erwartet

Mar del Plata - Der venezolanische Präsident Hugo Chávez hat seine Ablehnung einer amerikanischen Freihandelszone bekräftigt und will stattdessen auf dem Amerika-Gipfel für Agrarreformen und eine Allianz gegen die Armut werben. Der Vorschlag des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy, eine mit 20 Milliarden Dollar (knapp 17 Milliarden Euro) über einen Zeitraum von 20 Jahren ausgestattete "Allianz für den Fortschritt" ins Leben zu rufen, sei eine "achtbare Initiative", sagte Chávez am Freitag im argentinischen Mar del Plata.

Kennedy hatte Anfang der 60er Jahre versucht, die Entwicklungshilfe für Staaten der Dritten Welt unter anderem mit der "Allianz für den Fortschritt" auf die Basis einer gegenseitigen Partnerschaft zu stellen.

Chavez bekräftigte, er werde dafür sorgen, dass US-Präsident George W. Bushs Freihandelsinitiative "beerdigt" werde. "Warum versuchen wir nicht, den Vorschlag einer Fortschritts-Allianz zu exhumieren und etwas Ähnliches anzubieten, statt einem toten Dämon Sauerstoff zu geben?", fragte Chávez.

Eine solche Allianz stünde den USA besser zu Gesicht, als einen "mörderischen Freihandel zu betreiben, der die Zahl der Armen in Lateinamerika von 50 auf 220 Millionen erhöht" habe. Nach Einschätzung Chávez' sind mindestens einhundert Milliarden Dollar Soforthilfe gegen den Hunger nötig, um den "222 Millionen (Armen) in Lateinamerika und 40 Millionen in den USA" zu helfen.

Bush: Ich werde höflich zu Chávez sein

US-Präsident George W. Bush will Hugo Chávez höflich behandeln, wenn sich ihre Wege beim laufenden Amerika-Gipfel in Argentinien kreuzen sollten. "Natürlich werde ich höflich sein - das ist, was das amerikanische Volk von seinem Präsidenten erwartet", sagte Bush am Freitag auf einer Pressekonferenz am Rande der Konferenz im Seebad Mar del Plata.

Chávez wirft der US-Regierung unter anderem Verschwörung zu seiner Ermordung und zu einer Invasion Venezuelas vor. Erst kürzlich bezeichnete er Bush als "Mr. Danger" (Herr Gefahr). Auf einer Protestveranstaltung von Bush-Gegnern in Mar del Plata sagte Chávez am Freitag: "Der Amerika-Gipfel wird zum Grab der panamerikanischen Freihandelszone." Vor allem Bush setzt sich für die Freihandelszone von Alaska bis Feuerland ein. (APA)

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    Hugo Chavez mit dem argentinischen Fußballstar Diego Maradona

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