Venezolanischer Präsident greift Idee John F. Kennedys auf - Konfrontation mit US-Präsident George W. Bush erwartet
Mar del Plata - Der venezolanische Präsident Hugo Chávez
hat seine Ablehnung einer amerikanischen Freihandelszone bekräftigt
und will stattdessen auf dem Amerika-Gipfel für Agrarreformen und
eine Allianz gegen die Armut werben. Der Vorschlag des früheren
US-Präsidenten John F. Kennedy, eine mit 20 Milliarden Dollar (knapp
17 Milliarden Euro) über einen Zeitraum von 20 Jahren ausgestattete
"Allianz für den Fortschritt" ins Leben zu rufen, sei eine "achtbare
Initiative", sagte Chávez am Freitag im argentinischen Mar del Plata.
Kennedy hatte Anfang der 60er Jahre versucht, die
Entwicklungshilfe für Staaten der Dritten Welt unter anderem mit der
"Allianz für den Fortschritt" auf die Basis einer gegenseitigen
Partnerschaft zu stellen.
Chavez bekräftigte, er werde dafür sorgen, dass US-Präsident
George W. Bushs Freihandelsinitiative "beerdigt" werde. "Warum
versuchen wir nicht, den Vorschlag einer Fortschritts-Allianz zu
exhumieren und etwas Ähnliches anzubieten, statt einem toten Dämon
Sauerstoff zu geben?", fragte Chávez.
Eine solche Allianz stünde den USA besser zu Gesicht, als einen
"mörderischen Freihandel zu betreiben, der die Zahl der Armen in
Lateinamerika von 50 auf 220 Millionen erhöht" habe. Nach
Einschätzung Chávez' sind mindestens einhundert Milliarden Dollar
Soforthilfe gegen den Hunger nötig, um den "222 Millionen (Armen) in
Lateinamerika und 40 Millionen in den USA" zu helfen.
Bush: Ich werde höflich zu Chávez sein
US-Präsident George W. Bush will Hugo Chávez höflich
behandeln, wenn sich ihre Wege beim laufenden Amerika-Gipfel in
Argentinien kreuzen sollten. "Natürlich werde ich höflich sein - das
ist, was das amerikanische Volk von seinem Präsidenten erwartet",
sagte Bush am Freitag auf einer Pressekonferenz am Rande der
Konferenz im Seebad Mar del Plata.
Chávez wirft der US-Regierung unter anderem Verschwörung zu seiner
Ermordung und zu einer Invasion Venezuelas vor. Erst kürzlich
bezeichnete er Bush als "Mr. Danger" (Herr Gefahr). Auf einer
Protestveranstaltung von Bush-Gegnern in Mar del Plata sagte Chávez
am Freitag: "Der Amerika-Gipfel wird zum Grab der panamerikanischen
Freihandelszone." Vor allem Bush setzt sich für die Freihandelszone
von Alaska bis Feuerland ein. (APA)