Die Wucht des Rosses im Galopp

11. November 2005, 16:31
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Das "Fest der Pferde" begann mit begeisterten Kindern und einem Sieg von Gerfried Puck. Und fortwährend wird über das Klonen diskutiert

Wien - Das hat die Diskussion mit dem Pferd gemein. Ist sie erst einmal voll in Gang, dann ist sie kaum noch aufzuhalten, dann geht's dahin, mag sich einer noch so in die Steigbügel stellen und am Zügel ziehen.

Hugo Simon ist es, der im gestreckten Galopp in den Bügeln steht und zügelt ohne Ende - und das Wort "Klonen nicht mehr hören kann". Dabei hat er sie selbst angezettelt, die Diskussion, schließlich hatte er zugesehen, als die Forscher aus Frankreich daherkamen und seinem E.T. im Brustbereich einen Hautfetzen entfernten. Und nun soll 2006 im Labor Cryozootech bei Paris ein E.T.-Klon auf die Welt kommen. Klarerweise kein Wallach wie der Herr Papa, sondern ein Hengst, der also in der Zucht eingesetzt werden und seinen Besitzern viel Geld bringen könnte. Momentan erzielt ein in dreißig Einheiten teilbares Ejakulat eines 1A-Deckhengstes Preise von bis zu 150.000 Euro.

"Es war nicht meine Idee", sagt Simon, die Forscher seien an ihn herangetreten, er habe sich gedacht: "Man kann ja mal was auf die Datenbank legen." Nun werde "Quatsch geschrieben und gesagt", er werde "keinen zweiten E.T. bekommen", es seien "ja auch Zwillinge grundverschieden". Und er, Simon, stehe "dem Fortschritt nicht im Weg". Bei den meisten Kollegen stößt Simons Haltung auf Ablehnung, Thomas Frühmann etwa hält "vom Klonen gar nichts".

Für den Deutschen Franke Sloothaak indes, der am Montag auf seinen dritten Wien-GP-Sieg in Folge losgeht, wird sich "die Entwicklung nicht aufhalten lassen". Und Pferdefest-Organisator Peter Nidetzky nennt das geklonte Pferd "eine Vorstufe wie Dolly, das Schaf", am Ende werden Menschen geklont, und Nidetzky fragt sich, "ob man der Natur wirklich mit Gewalt ins Handwerk pfuschen soll".

Cryozootech-Chef Eric Palmer hat bereits im Februar die Geburt des ersten Rennpferd- Klons ("Pieraz Stallion") vermeldet, der erste Turnierpferdklon ist eine Frage der Zeit. Vielleicht machen "E.T. Stallion" und Hugo Simon, vielleicht auch "Calvaro Stallion" und der Schweizer Willi Melliger das Rennen.

Zu Beginn des Pferdefests freute sich Nidetzky am Donnerstag über tausende jubelnde Kinder, am Freitag freute sich der Kärntner Gerfried Puck über einen Sieg im Eröffnungsspringen, er verwies den Briten John Whitaker und Simon auf die Plätze. Das Volk der Reiter kommt auch des geselligen Geschehens wegen gerne nach Wien, die Preisgel der sind anderswo höher. Wien ist dennoch eine fixe Größe geworden, dank Sponsoren wie Mercedes-Wiesenthal, dank eines umfangreichen Showteils.

Im März hatte Nidetzky 2000 Briefe an Stammkunden verschickt und sich nach der persönlichen Lieblingsnummer aus 19 Jahren "Fest der Pferde" erkundigt. 812 Briefe kamen retour, und siehe da, Barcelonas berittene Polizei ging als klarer Sieger aus der Umfrage hervor. Auch der französische "Pferdeflüsterer" J. F. Pignon wird wieder zu sehen sein. Und Ernst Bachingers 12er-Quadrille. Und ein Pas de deux im Kostüm. Und die Gespanne. Und und und. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 5./6.11. 2005)

Ergebnisse Eröffnungsspringen Fest der Pferde (Int. Springprüfung): 1. Gerfried Puck (AUT) S+L 11th and Bleeker 0 Fehler/46,73 Sek. - 2. John Whitaker (GBR) Lactic Two 0/48,31 - 3. Hugo Simon (AUT) Conquest of Paradiso 0/49,57.

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