Schröder gibt Ratschläge nur noch gegen Geld

7. November 2005, 09:24
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Geheimnis um Zukunft bei letztem großem Auftritt in Deutschland gelüftet: Rückkehr in den Anwaltsberuf

Der noch amtierende Bundeskanzler Gerhard Schröder genoss beim Empfang des Vereins der Ausländischen Presse am Donnerstagabend sichtlich, noch einmal im Mittelpunkt zu stehen. Es war auch sein vermutlich letzter großer Auftritt in Deutschland. Denn zunehmend richtet sich die Aufmerksamkeit der Medien auf seine designierte Nachfolgerin Angela Merkel, den künftigen Vizekanzler Franz Müntefering und den neuen SPD-Chef Matthias Platzeck.

Mit Blick auf die jüngsten Turbulenzen in der SPD meinte der Noch-Bundeskanzler schmunzelnd: "Man weiß ja nicht, wie lange man geschäftsführend im Amt bleibt." Aber jetzt liefen die Gespräche zwischen CDU/ CSU und SPD so gut, dass plangemäß am 22. November sein Nachfolger gewählt werde. Und Schröder gestand erstmals öffentlich – und das mit einem Augenzwinkern – ein, dass er inzwischen auch selbst damit rechne, dass ihn wohl Angela Merkel beerben werde.

Und nach einer Pause fügte er hinzu: "Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass es mich freut." Die Lacher hatte er damit auf seiner Seite.

Diesmal attackierte er auch nicht seine Nachfolgerin, sondern CSU-Chef Edmund Stoiber, allerdings auf humorvolle Weise. Während in Berlin die Koalitionsverhandlungen stattfinden und sich die künftigen Minister auf ihre Arbeit in Berlin einstellten, "ist der eine oder andere ins Ausland geflohen", sagte er mit Blick auf Stoibers Ausflug zum Papst nach Rom.

Zukunft als Anwalt

Vor der Auslandspresse lüftete Schröder dann sein bisher sorgsam gehütetes Geheimnis, was er denn künftig zu tun gedenke. Er selbst müsse nun den Blick nach vorne richten, meinte der 60-Jährige. Er werde nach dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt in seinen angestammten Beruf als Rechtsanwalt zurückkehren.

Schröder nutzte die Medienpräsenz, um für sich zu werben: "Ich bin ein guter Anwalt. Wer immer juristischen Rat benötigt, möge sich daran erinnern." Die Tage, in denen er umsonst Ratschläge erteilt habe, gingen zu Ende, meinte er schmunzelnd. Für Journalisten hatte er stets den Rat parat: "Das sollten Sie in einem Kommentar verarbeiten", wenn ihm eine Frage nicht gefiel.

Er erhielt dann den Medienpreis, mit dem Personen, die sich besonders um die Auslandspresse kümmern, ausgezeichnet werden. Den habe er sich "auch verdient", befand der Medienkanzler und genoss gerührt den Beifall. (DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.11.2005)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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    Als Kanzler gibt Gerhard Schröder der Presse ein letztes Mal gute Ratschläge.

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