Japanerin dokumentierte Giftmischerei an ihrer Mutter im Internet

7. November 2005, 15:14
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16-Jährige führte Tagebuch wie ihre Mutter durch Rattengift langsam ins Koma fällt

Andrea Waldbrunner aus Tokio

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Eine 16-jährige Schülerin in Japan legte im Internet und auf ihrem PC zu Hause ein detailliertes Tagebuch darüber an, wie ihre Mutter langsam durch Rattengift verfällt, das sie ihr verabreichte. Sie könne sich "kaum noch auf den Füßen halten", stand da im Weblog der Schülerin aus Izunokuni in der Präfektur Shizuoka, südlich von Tokio.

Die Mutter habe "Hautausschläge im Gesicht und an Armen und Beinen" bekommen und könne kaum noch atmen, beschrieb sie den Zustand der 47-Jährigen. Deren Verfall bis zum Koma wurde monatelang mit Fotos dokumentiert.

Ihr Wissen über die chemische Substanz Thallium, die als Pestizid und Rattengift eingesetzt wird, erwarb die Giftmischerin im Chemieunterricht an der Highschool. Sie war auch Mitglied im Chemieclub an der Schule.

Kritischer Zustand

Japanische Zeitungen berichten, der Teenager habe sich darüber lustig gemacht, wie leicht sie Thallium in einer Drogerie habe beschaffen können. Der Weblog wurde von der Polizei bereits aus dem Internet genommen.

Die Mutter schien von den Taten ihrer Tochter nichts zu ahnen. Erst als die Symptome immer schlimmer wurden, schöpften Verwandte Verdacht und gingen zur Polizei.

Ob Mutter wieder erwacht ist unklar

Ob die Mutter aus dem Koma wieder erwachen wird ist unklar, ihr Zustand sei kritisch. Kurzfristig hatte das Mädchen sogar selbst Thallium eingenommen "um Spuren zu verwischen", wie die Polizei vermutet. Die Schülerin bestreitet aber die Tötungsabsicht.

Die Polizei fand mittlerweile heraus, dass die 16-Jährige eine Bewunderin von Graham Young ist. Der ging als Serienmörder in die Kriminalgeschichte Großbritanniens ein, er mischte schon als 14-Jähriger seinen Opfern Rattengift in den Tee. Young sei eine "historische Figur", die sie bewundere und respektiere, schrieb die Schülerin und empfahl sein Buch "Das Handbuch des jungen Giftmischers" zur Lektüre. (Andrea Waldbrunner, DER STANDARD Printausgabe 5./6.11.2005)

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