AKH-Mediziner bestätigt schmerzlindernde Wirkung von Cannabis

6. November 2005, 11:00
16 Postings

Hans-Georg Kress: Klinische Studien mit bislang geächteten Wirkstoffen sollen weitere Klärung bringen

Wien - Die Inhaltsstoffe der Cannabis-Hanfpflanze können bei bestimmten Schmerzen und Erkrankungen des Zentralnervensystems die Beschwerden lindern. Das erklärte Univ.-Prof. Dr. Hans-Georg Kress, Leiter der Abteilung Anästhesie und Intensivmedizin mit Schmerzzentrum im Wiener AKH, am Sonntag bei einer Fachtagung in Wien.

Cannabinoide sind dem Wissenschafter zufolge bei verschiedenen Erkrankungen als mögliche neue Therapeutika in Erprobung. Das betrifft vor allem Patienten mit durch Nervenschädigung oder -Reizung hervorgerufenen Schmerzen, aber auch mit entzündlichen Erkrankungen des Darmes oder neurodegenerativen Erkrankungen, zentralen Bewegungsstörungen wie Multipler Sklerose, mit der Tic-Krankheit Tourette-Syndrom oder Morbus Parkinson. Daneben seien diese Stoffe schon länger in der Palliativmedizin bei der Behandlung von Therapie-ausgelöster Übelkeit oder Erbrechen, Appetitlosigkeit oder auszehrungsbedingtem Gewichtsverlust (bei Aids oder Krebs) bewährt und dafür in den USA offiziell zugelassen.

Klinische Studien zur Klärung

Die meisten klinischen Daten liegen derzeit für Multiple Sklerose vor, erklärte Kress. Bei einer großen britischen Studie mit über 600 Patienten konnte im Vergleich zu Placebo eine signifikante subjektive, jedoch nicht objektivierbare Reduktion der Spastik unter dem Cannabisextrakt Dronabinol festgestellt werden, außerdem kam es bei den Patienten zu einer objektivierbaren funktionellen und zu einer deutlichen subjektiven Verbesserung, berichtete der Mediziner. Daneben seien jüngst kleinere positive Studien veröffentlicht worden, in denen es unter Dronabinol zu einer Verbesserung von Spastik, Blasenfunktion und Lebensqualität sowie zu einer deutlichen Reduktion von MS-assoziierten neuropathischen Schmerzen kam.

Der Einsatz von Dronabinol sollte allerdings im Einzelfall wohl überlegt und zumindest am Therapiebeginn in den Händen erfahrener Spezialisten erfolgen, sagt der Schmerzspezialist: "Klinische Studien, die bisher aus Gründen der allgemeinen Ächtung der Cannabinoide und auch mangels Interesses der forschenden Pharmaindustrie fast ausschließlich in akademischem Rahmen durchgeführt wurden, werden weitere Klärung möglicher Erfolg versprechender Einsatzgebiete bringen."(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Diesseits der Legalität: Cannabis als Medikament verpackt und gegen Rezept in niederländischen Apotheken abgegeben

Share if you care.