Verschönert oder verschandelt?

    17. November 2005, 22:17
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    Neue Brücken und alte Steinwandklamm-Tour bei den Myrafällen

    "Dieser Ort stimmt fürwahr des Dichters Leyer zu erhabenen Tönen, des Künstlers Pinsel zu Meisterstücken, den Schwärmer in andere Welten, und Liebende zur Seligkeit des Daseins." Dies schrieb im Jahre 1803 Josef Carl Wagner in seinem Band Wanderungen nach Gutenstein in Österreich unter der Enns über die Myrafälle bei Muggendorf.

    Die Klamm mit ihren reizenden Kaskaden lockte immer schon viele Wanderer an. Doch nun hat man den Weg entlang der Wasserfälle mit neuen Brücken versehen, die stilmäßig an die Stege und Brücken des Biedermeier-Radweges angepasst sind. Und das hat zu heftigen Diskussionen geführt, ob die etwas klobigen Holzbauten eher einen Gewinn darstellen oder die Myrafälle verschandeln.

    Ein Besuch der Myrafälle wird oft mit einer Wanderung auch durch die Steinwandklamm verbunden; ja, die Tour gehörte einst zu den Standardrouten in den niederösterreichischen Voralpen. Sie lädt heute zu einem Vergleich zwischen der "naturbelassenen" Steinwandklamm und den "möblierten" Myrafällen ein, und sie ist sehr abwechslungsreich. Allein der Ausblick zum Jagasitz zum Schneeberg entzückt. Vom Karnerwirt aus lässt sich auch der Hausstein besteigen, der wahrscheinlich schon in vorchristlicher Zeit eine Befestigung trug und als wichtiger Wachtposten fungierte.

    Die Wanderung weist keine Schwierigkeiten auf, wenn man durch die Steinwandklamm die Normalroute wählt und auf eine Begehung des Deckersteiges verzichtet. Zwischen Pernitz und dem Jagasitz ist die Markierung nicht optimal, es empfiehlt sich die Mitnahme einer Karte.

    Die Route

    In Pernitz wandert man durch die Singerallee an den Waldrand und folgt dann den roten Marken, die über das Eichkreuz zum Gasthof Jagadsitz führen. Gehzeit 1½ Stunden. Durch einen Hohlweg (gelb markiert) steigt man zur Jausenstation nahe dem Eingang zur Steinwandklamm ab und wandert aufwärts durch die malerische Schlucht und das Türkenloch (blau markiert) wieder zum Jagasitz. Für die "Klammrunde" braucht man 1¼ Stunden.

    Nun folgt man nach rechts der gelben Markierung bis zum Karnerwirt, den man nach einer Dreiviertelstunde erreicht. Weiter geht es auf Rot zu den Myrafällen, nach Muggendorf und Pernitz. Gehzeit ab Karnerwirt 1½ Stunden.

    Gesamtgehzeit 5 Std., Höhendifferenz 500 m.
    Gasthaus Jagasitz, Jausenstation am Eingang Steinwandklamm,
    Karnerwirt, Gasthof am Eingang Myrafälle.

    Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 75 (Puchberg am Schneeberg); Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge (DER STANDARD, Printausgabe vom 29./30. Oktober 2005)

    Von
    Bernd Orfer
    • "Dieser Ort stimmt fürwahr des Dichter Leyer zu erhabenen Tönen, ...."
      foto: niederösterreichwerbung

      "Dieser Ort stimmt fürwahr des Dichter Leyer zu erhabenen Tönen, ...."

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