18 Jahre Haft für Mord im Asylantenheim

7. November 2005, 15:12
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26-jähriger Afghane hatte Tschetschenen mit Bauchdurchschuss niedergestreckt - Urteil nicht rechtskräftig

Korneuburg - Wegen Mordes zu 18 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt wurde ein afghanischer Asylwerber am Freitag am Landesgericht Korneuburg. Das Urteil ist nichts rechtskräftig. Der 26-Jährige hatte am 20. April in einem Flüchtlingsheim in Maria Lanzendorf bei Wien einen tschetschenischen Mitbewohner nach einem Streit um eine Sonnenbrille mit einem Bauchdurchschuss niedergestreckt. Das Opfer, Vater von drei Kleinkindern, starb am 10. Juni im AKH Wien.

Die Geschworenen erkannten mit fünf gegen drei Stimmen auf Mord. Der Verfahrenshelfer des Angeklagten, der die Tötungsabsicht bestritten hatte, hatte auf schwere Körperverletzung mit Todesfolge plädiert.

Geboren in Kabul, wurde der Afghane mit sechs Jahren von den Russen in ein Kinderheim nach Wolgograd gebracht, arbeitete später auf Märkten und kehrte dann kurz in seine Heimat zu seiner psychisch kranken Mutter zurück. Seit 2004 lebte er in Österreich.

Streit um die Sonnenbrille

In der Pension in Maria Lanzendorf waren mehrere tschetschenische Familien untergebracht, die häufig zum Fernsehen ins Zimmer des Angeklagten kamen. Die Waffe, eine Tokarev Kaliber 7,62 mm, hatte sich der Beschuldigte Wochen vor der Tat am Wiener Mexikoplatz besorgt, wobei er vor Gericht erzählte, die Pistole von einem Moldawier "zur Aufbewahrung" übernommen zu haben. An jenem Abend war der Tschetschene mit einem weiteren Landsmann in sein Zimmer gekommen, wobei es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung um die neue Sonnenbrille des Angeklagten kam. Dann gingen die beiden Tschetschenen in den Keller, wo es Dart und Tischfußball gab.

Er habe ihn "beleidigt und verletzt", erklärte der afghanische Asylwerber. Deshalb habe er sich rächen und dem Tschetschenen "in den Hintern" schießen wollen. Er riss die Kellertür ab und feuerte auf seinen Widersacher, traf ihn aber nur an der Kleidung. Während sich das Opfer vermutlich in einer Fluchtbewegung umdrehte, traf ihn eine Kugel in den Rücken. Laut dem gerichtsmedizinischen Gutachten wurden Bauch, Leber, Niere und Dünndarm lebensgefährlich verletzt.

Der Afghane flüchtete zu Fuß Richtung Wien, wobei er die Waffe auf einem Feld versteckte. In den Morgenstunden stellte er sich dann auf einem Wachzimmer in Wien-Favoriten. Seine heutige Erzählung, er habe zuvor Heroin konsumiert, wurde durch das Gutachten, das ihm keinerlei Beeinträchtigungen attestierte, widerlegt. Zeugenaussagen zufolge soll der Tschetschene, der selbst wegen Gewalttätigkeit gegenüber seiner Ehefrau zehn Tage lang das Haus nicht hatte betreten dürfen, dem Afghanen gedroht haben, dessen Cannabishandel auffliegen zu lassen. (APA)

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