Autismus "übertreibt" männliche Gehirnstruktur

4. November 2005, 18:34
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Forscher plädieren für weitere Untersuchungen zu ihrer Theorie

Cambridge - Die Gehirnstruktur von Menschen mit Autismus ist eine "Übertreibung" der Struktur eines normalen männlichen Gehirns. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie des Cambridge Autism Research Centre. Es wurde bereits lange Zeit angenommen, dass es sich bei autistischen Verhalten um eine Übertreibung von männlichen Verhaltensweisen wie dem Erstellen von Listen handelt. Die Wissenschafter argumentieren jetzt, dass die tatsächliche Entwicklung eines autistischen Gehirns ebenfalls übertreibt, was in männlichen Gehirnen stattfindet. Sie schreiben in Science, dass die weitere Erforschung dieser Theorie ein besseres Verstehen des Autismus unterstützen wird.

Das Team um Simon Baron-Cohen wertete Forschungsvorhaben aus, die sich auf das Erklärungsmodell des "extremen männlichen Gehirns" konzentrierten. Sie weisen darauf hin, dass Männer generell über ein größeres frühes Wachstum in bestimmten Gehirnregionen und über weniger hemisphärische Konnektivität als Frauen verfügen. Die Gehirne von Jungen wachsen rascher als die von Mädchen. Bei Menschen mit Autismus, scheint dieses Wachstum in einem noch extremeren Ausmaß stattzufinden. Zusätzlich gibt es spezifische Unterschiede in bestimmten Gehirnregionen. Die Amygdala, die eine entscheidende Rolle bei emotionalen Reaktionen spielt, ist bei autistischen Kleinkindern abnormal groß. Dabei handelt es sich wieder um eine Übertreibung der typischen Entwicklung eines männlichen Gehirns.

Die Wissenschafter erklärten, dass alles darauf hindeute, dass der Kontakt mit männlichen Hormonen wie Testosteron vor der Geburt diese Entwicklungsmuster des Gehirns beeinflusse. Männliche Föten produzieren diese Hormone in ihren Hoden, weibliche in den Nebennieren. Aus diesem Grund können auch Mädchen einem höheren Hormonwert ausgesetzt sein. Baron-Cohen betonte laut BBC, dass die Wissenschafter daran interessiert seien den Autismus zu verstehen. "Es geht nicht darum, wie man intervenieren, Autismus verhindern oder einen pränatalen Test entwickeln kann. Es gibt zwei ethische Bedenken: Ob es sich bei Autismus um eine Krankheit handelt und ob ein möglicher pränataler Test spezifisch oder genau genug wäre." (pte)

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