Europa: Überraschend positive Unternehmensmeldungen im Schnitt

8. November 2005, 19:50
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Ein Kommentar von Jürgen Ulamec aus dem Equity Weekly der Erste Bank

Europas Aktienmärkte verzeichneten in der vergangenen Woche durchwegs Kurszuwächse. Ausschlaggebend hierfür war eine Reihe überraschend positiver Gewinnmeldungen von Unternehmensseite.

Besonders kräftig schnitt dabei der Finanzsektor ab. So meldete ABN Amro einen Gewinnzuwachs um 35%, nachdem sich vor allem das Südamerikageschäft stärker als erwartet entwickelt hatte. Des weiteren überraschten Commerzbank, UBS und Credit Suisse mit Gewinnsprüngen positiv. Alle drei Finanzinstitute nannten das starke Investmentbankinggeschäft und gesteigerte Erträge aus der Vermögensverwaltung als Hauptgrund für diese Entwicklung. Der Industriegashersteller Linde konnte ebenfalls mit Quartalszahlen über den Markterwartungen aufwarten. Die verstärkte Nachfrage aus dem Pharmasektor und der Baubranche hätte die Ergebnisse beflügelt. Ebenso gelangen Pearson, dem weltweit größten Verlag für Schulbücher und Ausbildungsunterlagen, überdurchschnittliche Zuwachsraten bei Umsatz und Ertrag.

Henkel veröffentlichte sehr solide Zahlen zum 3. Qu., die verstärkte Fokussierung auf den amerikanischen Markt hatte sich bezahlt gemacht. Weiters legten MAN und Vivendi sehr zufrieden stellende Quartalszahlen vor.

Für Enttäuschung sorgte Imperial Tobacco, der Gewinn des Zigarettenherstellers lag im abgelaufenen Quartal deutlich unter den Anlegererwartungen. Der Chemiekonzern BASF musste eine Gewinnwarnung aussprechen. Die Hurricanes Rita und Wilma hatten zu Beschädigungen und zeitweiligen Schließungen von US Werken in den betroffenen Regionen geführt. Der Gesamtschaden wird von BASF mit 120 Mio. Euro beziffert. Infolge der Hurricanes senkte auch Swiss Re ihr Gewinnziel. Der Rückversicherer schätzt die Mehrbelastung aus den Naturkatastrophen auf 750 Mio. USD. Weiters meldete Ciba Spezialchemie infolge hoher Restrukturierungskosten einen Gewinnrückgang und die Erträge von Metro litten unter der schwachen Entwicklung seiner Supermarktkette Real.

In Europa kam in der letzten Woche zum wiederholten Mal in diesem Jahr das Übernehmekarussell in Gang. Insgesamt wurden Akquisitionen mit einem Volumen von 36,6 Mrd. Euro angekündigt. Damit beläuft sich der Gesamtwert 2005 bisher auf 514 Mrd. Euro, der höchste Wert seit 2000. Konkret gab Telefonica die Übernahme des britischen Mobilfunkbetreibers O2 für 17,7 Mrd. Euro bekannt. Die Norwegische Telenor wird die schwedische Tochter von Vodafone um 1 Mrd. Euro kaufen. Eine Investorengruppe aus Dubai bietet für die britische Schifffahrtslinie P&O 2,5 Mrd. GBP. Das deutsche Chemieunternehmen Altana legte zu, nachdem die Eigentümerfamilie angekündigt hatte, die problembehaftete Pharmasparte verkaufen zu wollen.

Einen kräftigen Kurszuwachs verzeichnete die Dt. Börse. Die Wettbewerbskommission könnte die geplante Übernahme der London Stock Exchange nun doch unter Auflagen bewilligen. Von der Grundstimmung her präsentieren sich Europas Aktienbörsen anhaltend positiv, die jüngste freundliche Tendenz bei den Unternehmensgewinnen gab dem Markt zusätzliche Impulse. Wir gehen davon aus, das dieses optimistische Stimmungsbild auch in der kommenden Woche andauert und rechnen daher neuerlich mit Kurszuwächsen.

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