Viel Kork, wenig Frucht...

13. Juli 2006, 17:04
14 Postings

Anders als beim Wein ist der Kork im Schnaps etwas schwieriger aufzuspüren. Dennoch ist er da und macht den SchnapstrinkerInnen das Leben manchmal etwas schwer

Von Vene Maier

Das Thema ist mittlerweile schon so alt, dass es fast leidig ist: Der Kork, der schützen soll, ruiniert den Inhalt. Bei Destillaten ist dieses Phänomen einigermaßen neu – nichts desto weniger aber vorhanden. Vereinzelt hat es wohl schon immer Korkfehler auch im Schnaps gegeben, aber es bewegte sich stets im Bereich der Ausnahme von der Regel. Vor allem trat ganz selten ein ganz eindeutiger Korkfehler auf.

Die Frage, die sich angesichts gehäufter und deutlicher Korkfehler stellt: Wie oft sind eigentlich fehlerhafte Korken daran schuld, dass Schnäpse einfach kein Aroma haben oder nur verwaschen, undeutlich, muffig oder dumpf schmecken?

Gehobene Qualitätsphilosophie

Häufig wird ja – gerade bei Verkostungen – ein mehr oder weniger verdeckter Fehlton registriert. Wenn der Schnaps stumpf, trocken und fad gewirkt hat, kann man ja auch von einem Brenn- oder einem anderen Destillatsfehler reden. Beim technischen Niveau und der Qualitätsphilosophie der meisten Schnapsbrenner (reifes Obst, saubere Verarbeitung, exakte Destillation) sind diese Mängel weitgehend behoben. Dennoch weisen einzelne Proben genau diese sensorischen Negativ-Attribute auf. Wenn diese so deutlich sind, dass kein anderer Eindruck („Der korkt ja gewaltig“) daneben Platz hat, ist es ja noch irgendwie ein Glücksfall. Die Problematik steigt bei all jenen Grenzfällen, wo lediglich ein stumpfer, verdeckter, fremdbestimmter Ton das Aroma stört. Dann neigt der Verkoster dazu, dieses Destillat um den einen oder anderen Punkt hinunterzustufen und als mehr oder weniger fehlerhaft zu beurteilen.

Tatsächlich aber steckt in vielen Fällen ein Korkfehler dahinter. Insbesondere bei guten Schnäpsen, die sauber destilliert wurden und ein volles Fruchtaroma haben, tritt ein Korkfehler nicht mit der vom Wein gewohnten Deutlichkeit zutage, sondern lässt oft nur störende Nebentöne auftreten. Stumpf überlagertes Aroma kann dann festgestellt werden oder irritierende, unharmonische Noten. Eigenschaften wie Löschblatt, papierig, strohig, stumpf und verdeckt sollten die Schnapsverkoster und -trinker aber zumindest auch auf den Gedanken bringen, es könnte sich nicht um einen Schnaps-, sondern um einen Korkfehler handeln.

Zu aller Schaden…

Die Leidtragenden sind natürlich die Konsumenten, wenn sie einen Brand erstehen, der gut beschrieben oder von Freunden eigens empfohlen wurde. Dies einerseits. Andererseits entsteht durch einen Korkfehler den Produzenten ein Schaden, der vielleicht noch größer ist als derjenige, den die Käufer erleiden – manchmal genügt ja schon ein einziger schlechter Schnaps, um den Ruf des Brenners nachhaltig zu ruinieren.

Das Problem für beide Seiten besteht wohl darin, dass Korkfehler beim Schnaps von den Konsumenten nicht so leicht erkannt werden und die Produzenten nichts davon wissen, dass ihr „guter“ Schnaps in der Flasche eine grundlegende Veränderung erfährt. Dann ist zwar niemand wirklich „schuld“, aber der Schaden auf beiden Seiten groß.

Dagegen muss man wohl dringend etwas tun. Was, haben sich einzelne Brenner bereits überlegt und ihre Verpackung umgestellt. Als Beispiel dafür kann Hans Krenn dienen, der sein Outfit umgestellt und dabei auch gleich die ganze Kork-Problematik beseitigt hat. Die neuen Flaschen haben einen Drehverschluss (siehe Foto), und man kann ohne weiteres sagen, dass dies dem Inhalt nur gut tut – bei Krenns Schnäpsen ist ein toller Inhalt ja die Regel, und die Form wird diesem auch mit Drehverschluss voll gerecht. Finde ich.

  • Neues Flaschendesign bei Hans Krenn…

    Neues Flaschendesign bei Hans Krenn…

  • …mit neuem Verschluß: Dreh und trink.

    …mit neuem Verschluß: Dreh und trink.

Share if you care.