"... wie der Fußballermarkt" - Österreich sucht die Besten

4. November 2005, 14:03
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Mit dem Programm "Brainpower austria" soll am weltweiten Rennen um die besten Köpfe teilgenommen werden

Wien - "Der Wissenschaftlermarkt entwickelt sich wie der Fußballermarkt." So beschrieb Ingolf Schädler vom Infrastrukturministerium (BMVIT) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien das weltweite Rennen um die besten (Wissenschafter-)Köpfe. Mit dem vom BMVIT initiierten Programm "Brainpower austria" will Österreich in diesem Wettbewerb mitmischen, rückkehrwillige österreichische Forscher bei ihrer Karriereplanung in der Heimat unterstützen und ein weltweites Netzwerk österreichischer Wissenschafter aufbauen.

Ein Instrument für dieses Networking sind sogenannte "Science Talks", die kürzlich zum zweiten Mal in San Diego (US-Bundesstaat Kalifornien) und New York abgehalten wurden. Repräsentanten des österreichischen Forschungs- und Innovationssystems, wie der Geschäftsführer der Austrian Research Centers (ARC), Erich Gornik, oder der Leiter des Innovationsbereichs in der Industriellenvereinigung, Gerhard Riemer, diskutierten dabei mit rund 120 in den USA tätigen österreichischen Wissenschaftern. Diesmal standen Möglichkeiten in der industrienahen und außeruniversitären Forschung im Mittelpunkt. "Denn dort entstehen derzeit die meisten Jobs", sagte Schädler.

Jobbörse

In einer im Rahmen von "Brainpower" aufgebauten Jobbörse sind derzeit rund 300 offene Forschungspositionen in Österreich registriert, 71 Prozent davon in Unternehmen, 17 Prozent an Unis und zwölf Prozent im außeruniversitären Forschungsbereich. Dem stehen 350 registrierte Wissenschafter, der Großteil davon Jobsuchende, sowie 290 die Datenbank nutzende Firmen gegenüber. "Alleine Infineon in Villach sucht derzeit 80 bis 90 Leute aus dem Bereich Mikroelektronik", so Schädler. In den knapp zwei Jahren Laufzeit des mit insgesamt 2,4 Mio. Euro dotierten Programms (2004-2006) haben bisher zwölf Forscher Jobs erhalten, bei 31 laufen derzeit noch die Gespräche.

Auf Grund der dynamischen Entwicklung im Forschungsbereich in den vergangenen Jahren sieht Gornik eine Zeit kommen, "in der hochqualifizierte Leute Mangelware werden". Um gute Leute zu bekommen, müsste man ihnen aber besondere Strukturen und ausgezeichnete Konditionen bieten. Dafür gebe es beispielsweise mit dem neuen Uni-Gesetz gute Voraussetzungen, weil es ein hohes Maß an Flexibilität ermögliche. So könnte sich Gornik ARC-Institute vorstellen, die man an Universitäten andockt. Es müssten aber auch die Benefits für Spitzenleute verbessert werden, US-Unis würden etwa Top-Wohnungen zu günstigen Konditionen offerieren.

"Nachholbedarf"

Riemer ortet keine dramatische Forscherlücke, aber dennoch "Nachholbedarf". So gebe es in Österreich pro 1.000 Beschäftigte 6,1 Forscher und Techniker, in den USA neun, in Schweden zehn und in Finnland 17.

Unabhängig von "Brainpower" fahren die ARC ihr eigenes, mit 350.000 Euro ausgestattetes Internationalisierungsprogramm. In dessen Rahmen werden internationale Gastwissenschafter für ein bis zwölf Monate nach Österreich geholt, bzw. ARC-Forscher für diese Zeit an Spitzeneinrichtungen ins Ausland geschickt. Neueste Kooperationspartner dabei sind etwa das Los Alamos National Laboratory oder das Scripps Research Institute. (APA)

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