Hamburger Elin-Debakel: Siemens will klagen

21. November 2005, 15:25
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Hochleitner: "Es gibt Hinweise, die wir auf strafrechtliche Relevanz prüfen müssen" - Hydro-Verkauf: Allianz als "Jolly Joker"

Wien - Die Affäre rund um die verlustträchtige Hamburger Tochter der VA Tech Elin EBG, die Siemens einen Rückstellungsbedarf von 70 Mio. Euro beschert, dürfte nun doch ein Fall für die Gerichte werden. Siemens erwägt ein Strafverfahren, berichtet das Magazin "Format" in der neuesten Ausgabe. "Es gibt Hinweise, die wir auf strafrechtliche Relevanz prüfen müssen", wird der Vorstandschef der Siemens AG Österreich, Albert Hochleitner, zitiert. Die wirtschaftliche Prüfung der Elin EBG in Hamburg gilt mittlerweile als abgeschlossen.

Unterdessen geht die Suche nach den Verantwortlichen für das Hamburger Elin-Desaster weiter, schreibt das Magazin. Auch der Sohn des "Bank-Burgenland-Abzockers" Hom-Rusch soll als ehemaliger Elin-EBG-Manager involviert sein.

Bei Siemens sei man besonders verärgert darüber, dass die Verluste bereits ab Herbst 2004 absehbar waren, das damalige Management unter Klaus Sernetz aber nicht reagiert habe. "Hätte man früher etwas gemacht, wäre der Schaden viel geringer", so ein Manager laut "Format".

Dem Bericht zufolge sind Angaben ehemaliger Elin-Mitarbeiter, wonach neben den 70 Mio. Euro Rückstellungsbedarf in Hamburg bei der Moskau-Tochter von Elin 50 Millionen und in Polen weitere 30 bis 40 Millionen Schulden liegen, von Siemens-Kreisen bisher nicht bestätigt worden.

Allianz als "Jolly Joker" im Hydro-Verkauf

Den von den EU-Wettbewerbshütern angeordneten Verkauf der VA Tech Hydro wird Siemens hingegen auf alle Fälle in trockene Tücher bringen: Sollten wider Erwarten die in die engere Wahl gekommene Handvoll Bieter sich doch noch aus dem Rennen nehmen, bleibt dem Münchener Elektro-Multi einer seiner größeren Aktionäre, die deutsche Allianz-Gruppe, als "Jolly Joker", um den Deal zu retten.

"Die Allianz ist das Sicherheitsnetz für Siemens", sagte eine mit der Situation vertraute Person am Freitag zur APA. "Im Notfall springt die Allianz ein." Die Allianz Capital Partners, eine Private-Equity-Gesellschaft der Allianz-Gruppe, bildet das finanzielle Rückgrat des Bieterkonsortiums um den Bauunternehmer Erwin Soravia und Ex-Dorotheum-Manager Martin Ohneberg. "Soravia und Ohneberg sind hier nur das Feigenblatt", so der Insider.

Nach wie vor offen ist, mit wie vielen Bietern der deutsche Großkonzern nach dem Erstellen der Shortlist vergangene Woche in die zweite Runde gegangen ist. Noch vor zwei Tagen war in informierten Kreisen von höchstens fünf Bietern die Rede gewesen. Am Freitag hieß es gegenüber der APA, es könnten auch sechs sein.

Androsch offenbar fix im Rennen

Weiter fix im Rennen sollen nicht nur die Soravia-Gruppe mit der Allianz im Rücken sein, sondern auch der Industrielle Hannes Androsch, der steirische Anlagenbauer Andritz und die Cross Industries um den oberösterreichischen Unternehmer Stefan Pierer (mit der UIAG und der Porr an Bord). Ebenfalls auf die Shortlist geschafft hat es wohl First Reserve, eine auf den Energiesektor spezialisierte englisch-amerikanische Private-Equity-Gesellschaft. Auch der sechste Bieter, derzeit der "große Unbekannte", soll ein ausländischer Finanzinvestor sein.

Dass der Industrielle Mirko Kovats im Poker um die Kraftwerkssparte der VA Tech nicht mehr mitmischt, "stimmt tatsächlich", heißt es in gut unterrichteten Kreisen. Auf Druck der Banken, aber auch wegen seiner schlecht gelaufenen Anleihe soll sich Kovats selbst wieder zurückgepfiffen haben.

Bis wann verbindliche Angebote für die Hydro gelegt werden können, ist indes weiterhin offen. Finale Verhandlungen aufnehmen will Siemens wie vor wenigen Wochen angekündigt mit ein bis zwei Bietern. Geplant ist, den Verkauf noch bis Anfang 2006 durchzuziehen. (APA)

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