Anwalt der Polizisten beantragte Kardiologen

4. November 2005, 18:25
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Intensivmediziner betonen "Druckstau" - Herzinfarkt ausgeschlossen - Urteile am Mittwoch

Wien - Beim Prozess rund um den bei einer Amtshandlung gestorbenen Seibane Wague ist am Freitag die Befragung der Sachverständigen abgeschlossen worden. Die Schlussplädoyers und die Urteilsverkündung legte Richter Gerhard Pohnert auf kommenden Mittwoch, 9.00 Uhr fest. Dann erfahren die sechs angeklagten Polizisten, der beigezogene Notarzt sowie drei Sanitäter, ob sie sich im Zusammenhang mit der Amtshandlung vom 15. Juli 2003 im Stadtpark der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen schuldig gemacht haben. Diesfalls drohen ihnen jeweils bis zu drei Jahre Haft.

Anwalt Michael Ploderer, der zwei jener drei Polizisten vertritt, deren Vorgangsweise der Gerichtsmediziner als kausal für den tödlichen Ausgang der Amtshandlung eingestuft hatte, versuchte in einer stundenlangen Befragung herauszufinden, ob Wagues Tod wegen seines vorgeschädigten Herzens nicht unausweichlich war.

Kardiologen beantragt

Ploderer vertrat die Auffassung, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass Wague auch ohne Gewalteinwirkung und Fixierung am Boden umgekommen wäre, weil er herzkrank und - wie die Ausschüttung von Stresshormonen und Adrenalin beweise - höchst erregt war. Zum Beweis dafür beantragte der Verteidiger die Beiziehung eines Kardiologen.

Herzinfarkt ausgeschlossen

Diesem Ansuchen wurde nicht stattgegeben, da sowohl der Intensivmediziner Kurt Hudabiunigg und der Gerichtsmediziner Daniele Risser betonten, das kranke Herz wäre in Verbindung mit der Stresssituation zwar ein "deutlicher Risikofaktor", aber nicht ausschlaggebend gewesen. Maßgeblich war demnach der "Druckstau" in Folge der Fixierung in Bauchlage.

"Ohne Erregung wäre der Tod vermutlich später eingetreten", meinte Hudabiunigg. Einen möglichen, vom Verteidiger ins Spiel gebrachten Herzinfarkt schloss wiederum Risser aus: "Es gibt keinen Hinweis dafür." Es gebe auch "kein Substrat für eine Durchblutungsstörung, Thrombose oder eine Entzündung am Herzen".

Zuletzt ging es um die Frage, ob das wenige Stunden vor der Amtshandlung von Seibane Wague konsumierte Haschisch seinen Tod "begünstigt" habe. "Ja, er war eingekifft. Nein, tragende Rolle hat das keine gespielt", stellte der Gerichtsmediziner klar.

Der Polizei-Taktiker Rudolf Pföhs stellte abschließend fest, es habe zur Fixierung einer mit Handschellen gefesselten Person in Bauchlage keinerlei polizeiliche Vorschriften und kein Schulungsmaterial gegeben. Die Beamten hätten sich dabei "auf ihre Erfahrungswerte verlassen". Insofern sei es "Norm im Sinn von Praxis" gewesen, als einer der Polizisten dabei Wague sein Knie heftig in den Rücken drückte. (APA)

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