Roter Wein in roten Zahlen

2. Dezember 2005, 10:41
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Bordeaux-Weine in der Krise - Auch vielen Qualitäts-Produzenten droht Konkurs - mit Grafik

Wien - In der anhaltenden Wein-Krise in der berühmtesten französischen Weinregion Bordeaux stehen viele Verlierer einer Hand voll Gewinnern gegenüber - "Superstars" unter den Winzern, die in der ganzen Welt um fast jeden Preis verkaufen können. Trotz - oder wegen - des klingenden Namens der Herkunftsregion sind im Bordeaux zu viele namenlose und trotzdem relativ teure Massenweine produziert worden, sagen Experten.

Österreich kann aus Krise lernen

"Die österreichische Weinwirtschaft kann daraus lernen, dass es sich nicht rechnet, möglichst billig viel zu viel herzustellen. Massenwein produzieren können andere Länder viel besser", sagt Michael Thurner, Chef der österreichischen Weinmarketinggesellschaft (ÖWM). Die Schwächephase des Bordeaux bedeute höchstens in Einzelfällen zusätzliche Marktchancen für die Österreicher, glaubt er, denn: Für Kenner und Prestige-Trinker seien gewisse Chateaus ohnedies nicht substituierbar, "großer Bordeaux hat immer einen Markt, wie es wohl auch immer Leute gibt, die Porsche fahren".

Rein mengenmäßig spielen Weine aus dem Bordeaux auf dem österreichischen Markt eine untergeordnete Rolle, Experten schätzen den Marktanteil auf zwei, drei Prozent. Genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Nur etwa ein Zehntel des in der Alpenrepublik im Handel verkauften Rotweins kommt aus der Republik Frankreich. Bei Weinen, die in der gehobenen Gastronomie ausgeschenkt werden, dürften Rebensäfte aus der Region Bordeaux einen viel höheren Marktanteil ausmachen.

Auch Top-Produkte betroffen

Nicht nur die Massenweine, auch viele mit einer "Klassifikation" versehene Top-Produkte sind von der Krise erfasst worden, analysiert Branchenkenner Peter Moser, Chefredakteur der Genießer-Zeitschrift "Falstaff", im Gespräch mit der APA. Auch die Mittelklasse habe seit fast zehn Jahren fleißig an der Preisspirale mitgedreht und heute - "nicht zu Unrecht das Stigma, teuer zu sein", so Moser. Weil aber in den vergangenen Jahren viel in die Qualität investiert worden sei, könnten könnten nur wenige preislich zurück stecken: "Diese Winzer "haben jetzt zwar bessere Weine, aber weniger Kundschaft - der Weg zum Insolvenzrichter wird auch einigen der bekannten Chateaubesitzer der Mittelklasse nicht erspart bleiben", sagt der Fachjournalist. Der heimischen Weinwirtschaft rät er mit Blick auf die Bordeaux-Region, das "Augenmaß zu bewahren, wenn es um die Preise geht".

Für die 50 bis 60 Top-Weingüter rund um die Gironde gehört Preisdisziplin freilich nicht zu den ersten Tugenden - muss es auch nicht. Seit den Neunzigerjahren sind die Preise für Spitzenweine geradezu explodiert. Für den schwächeren Jahrgang 2004 sind sie (auf Subskriptionsbasis) zwar etwas gefallen - die großen Bordeaux-Weine der Ernte 2005 werden aber neue Preisrekorde bringen, ist Martin Feichtner, Bordeaux-Einkäufer bei "Wein & Co" sicher. Die "Creme de la Creme" sei "zu keinem Zeitpunkt in der Krise gewesen". Ihre Preise siedelt Feichtner zwischen "sehr stolz" und "horrend" an. (APA)

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