Kardinal warnt vor religiösem Fundamentalismus

9. Juli 2007, 13:43
77 Postings

Projekt des Vatikans will Religion und Wissenschaft versöhnen - Wissenschaft könne aber auch mit Atombombe und Klonen "enden"

Rom - Die Kirche darf sich nach Ansicht eines Kardinals beim Vatikan den Einsichten der modernen Wissenschaft nicht verschließen. Sonst drohe die Religion in den Fundamentalismus abzugleiten, warnte der Präsident des Päpstlichen Rates für Kultur, Kardinal Paul Poupard, am Donnerstag.

Der Kardinal äußerste sich während einer Pressekonferenz zu einem Projekt des Vatikans, das zum Ziel hat, Religion und Wissenschaft miteinander zu versöhnen. Inspiriert wurde das Projekt von der Erklärung des inzwischen verstorbenen Papstes Johannes Pauls II. 1992 zur Rehabilitierung Galileos, dessen wissenschaftliche Betrachtung des Universums der Kirchenlehre widersprach. Der Vorgänger von Papst Benedikt XVI. hatte die Ächtung Galileos im 17. Jahrhundert als Fehler bezeichnet.

Poupard sprach sich für einen ständigen Dialog zwischen den verschiedenen Disziplinen aus, vor allem zwischen der Theologie und den Naturwissenschaften. Nur so könnten in Zukunft ähnliche Abläufe wie im Fall Galileo verhindert werden. Der Kardinal mahnte aber auch die Wissenschaft, auf die Kirche zu hören. "Wir wissen, wie die Wissenschaft auch enden kann", sagte Poupard. Der Kardinal verwies auf die Atombombe und die Möglichkeiten zum Klonen von Menschen. Dies sei die Saat einer Vernunft, die sich selbst von allen religiösen und ethischen Bindungen lösen wolle. (APA/AP)

Share if you care.