In Vitro: Neue Methode spart belastende Hormontherapie aus

5. November 2005, 12:00
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Eizellen werden erst in Reagenzglas mit Hormonen behandelt - Kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen

Heidelberg - Mit einer neuen Behandlungsmethode wollen Heidelberger ForscherInnen Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch quälende Hormonbehandlungen ersparen. Die neue Technik der künstlichen Befruchtung "In vitro Maturation" habe zum ersten Mal in Deutschland zu einer Zwillingsschwangerschaft geführt, teilte die Universität Heidelberg mit. Für manche Frauen sei diese Methode die einzige Chance, ohne größere gesundheitliche Risiken schwanger zu werden.

Hormonbehandlung im Reagenzglas

Bei der "In vitro Maturation" werden der Mitteilung zufolge unreife Eizellen aus den Eierstöcken entnommen, die zuvor wenig oder gar nicht mit Hormonen stimuliert wurden. Die sonst übliche wochenlange Hormonbehandlung entfällt, wie Michael von Wolff, Oberarzt der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, erklärte. Die Eizellen reifen stattdessen im Reagenzglas heran, erhalten dort ein Hormon, werden befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt. Dadurch werden die sonst üblichen Risiken der Hormonbehandlung vermieden.

Besonders geeignet ist das Verfahren den Angaben zufolge für Frauen mit polyzystischen Ovarien, deren Eierstöcke viele kleine Bläschen haben. Auch Frauen, die wegen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie benötigten, könnten von der Methode profitieren, teilte die Universität mit. In ihrem Fall würden die befruchteten Eizellen für eine spätere Einsetzung tiefgefroren. Bei Patientinnen ohne polyzystische Ovarien stünden die Chancen für eine Schwangerschaft allerdings nicht so günstig.

Weltweit bereits 300 Kinder geboren

Weltweit wurden der Universität zufolge bereits mehr als 300 Kinder nach einer "In vitro Maturation" geboren, es sei dabei keine erhöhtes Risiko für Fehlbildungen festgestellt worden. Die in Heidelberg behandelte Schwangere sei 26 Jahre alt; der voraussichtliche Geburtstermin ist im April 2006. Auch die Universitätsfrauenklinik Lübeck habe die Methode in ihr Behandlungsspektrum aufgenommen. (APA/AP)

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