"Gläserne Seher" - TV-Quoten mit Armbanduhr messen

25. November 2005, 12:36
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ATVplus-Chef Franz Prenner regt im Monatsmagazin "Datum" den Einsatz der MediaWatch an und verlangt "Fantasie" vom ORF

In der aktuellen Ausgabe des Monatsmagazins Datum – Seiten der Zeit regt ATVplus-Chef Franz Prenner ab 2007 eine neue Methode zur Messung der österreichischen Fernsehquoten an. Prenner, Obmann des Teletestvereins, tritt für die Einführung der "MediaWatch" ein, die in der Schweiz bereits im Einsatz ist. Dabei misst eine spezielle Armbanduhr das Medienverhalten des Benutzers, indem sie Audiosignale registriert. Prenner favorisiert diese Methode, sieht allerdings auch Nachteile: einerseits die "hohen Kosten" sowie die Gefahr, "dass uns die MediaWatch wirklich zu gläsernen Sendern macht". So könnte zum Beispiel auch festgestellt werden, wie viele Seher bei Werbeblöcken den Raum verlassen. Der Vertrag mit dem Institut Fessel GfK, das derzeit im Auftrag des ORF die Fernsehnutzung der Österreicher mit Teletestboxen erhebt, läuft 2007 aus.

ORF1 privatisieren

Über die Zukunft von ATVplus lässt Prenner im "Datum" verlauten, dass der Privatsender künftig verstärkt auf "junge Formate, mehr Eigenproduktionen und mehr österreichische Inhalte" setzen wird. Was außerdem zum Erfolg des Senders beitragen soll, aber nicht in seiner Macht liegt: ORF1 soll nach Meinung Prenners privatisiert werden. "Das wäre der richtige Weg, würde wahrscheinlich zu einer Fusion mit ATV führen. Es gäbe eine Chance, eine österreichische Fernsehlandschaft groß zu ziehen, die zum Teil öffentlich-rechtlich, zum Teil privat ist", sagt der ATVplus-Chef, und weiter: "Da muss man nur ein bisschen Fantasie haben. Dass der ORF und ATV miteinander einen Spartenkanal betreiben, ist eine solche Chance."

Derzeitige Haupteigentümer von ATVplus sind die BAWAG und der Filmhändler Herbert Kloiber. Letzterer sieht angesichts der derzeitigen Turbulenzen der ÖGB-Bank (Stichwort Refco-Skandal) übrigens kein Problem für ATVplus. Eine Änderung der Eigentümerstruktur schließt Kloiber gegenüber "Datum" kategorisch aus: "Es wird keine neuen Aktionäre geben." (red)

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