Showdown von Bush mit Venezuelas Chávez

4. November 2005, 19:19
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Amerika-Gipfel um Freihandel in Argentinien

Buenos Aires/Wien - Die Ideologien zweier Präsidenten - die neoliberale von George W. Bush und die linkspopulistische von Venezuelas Hugo Chávez - prallen beim heute, Freitag, beginnenden zweitägigen Amerika-Gipfel zusammen. An sich sollte bei dem Treffen von 34 Staaten (ohne Kuba) im argentinischen Mar del Plata ein lange angekündigtes Freihandelsabkommen von Alaska bis Feuerland (FTAA) fixiert werden. Doch dieser Plan ist gescheitert.

Für das Abkommen sind neben den USA nur noch Chile, Kanada und Mexiko.

"Neosozialist" Chávez, der Kapitalismus für "den Weg zur Hölle" hält, ist strikt dagegen und will sich mit günstigen Öllieferungen an Staaten wie Ecuador, Nicaragua und Uruguay zur lateinamerikanischen Gegenmacht aufbauen.

Dazwischen stehen die von Argentinien und Brasilien geführten Mercosur-Staaten, die zwar nichts gegen Freihandel haben, aber gleiches Recht für alle verlangen. Besonders Brasiliens Präsident Lula da Silva fordert vehement den Abbau der US-Agrarsubventionen. Außerdem müsse der Armutsbekämpfung in der Kooperation Vorrang gegeben werden.

Laut Meinungsumfragen ist George Bush in Lateinamerika der seit Menschengedenken unbeliebteste US-Präsident. In Argentinien findet, nahe dem von der Polizei zernierten Konferenzort, ein "Gipfel des Volkes" zehntausender Bush-Gegner statt. Einer der Organisatoren, Argentiniens früherer Fußballstar Diego Maradona, hat Chávez zur Teilnahme an einer Protestdemonstration eingeladen.

Im Vorfeld räumte Bush ein, dass die Verhandlungen für ein gesamtamerikanisches Freihandelsabkommen "stocken". Es bestehe aber die Chance, dass man beim Abbau der Handelsschranken heuer im Rahmen der WTO-Gespräche vorankommen werde. (DER STANDARD, Printausgabe, 04.11.2005)

Erhard Stackl
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    In Mar del Plata sichern rund 10.000 Polizisten das Gelände für den Gipfel ab

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