Das Genie Mozart als Normalität für Kinder

20. März 2006, 20:54
1 Posting

Ausstellung im Wiener Kindermuseum Zoom im kommenden Mozartjahr - "Gefühl für die Ästhetik dieser Zeit vermitteln"

Wien - "Wir brauchen ihn viel mehr als er uns." Was kaum verwundert, bedenkt man, dass "Er" seit nunmehr 214 Jahren im Grabe weilt. Oder auch nicht, wenn etwa sein mutmaßlicher Schädel wieder einmal für Untersuchungen herangezogen wird, ob er es nun sei oder nicht: der echte, der Genie- und Kindskopf-Schädel. Doch wenn Mozart-Jahr-Intendant Peter Marboe über das Objekt seiner Intendanz spricht, weilt er wieder ein Weilchen unter den Lebenden, der "Wolfgang Amadé" - am Donnerstagvormittag tat er dies als "ein ganz normales Wunderkind" im Wiener Kindermuseum Zoom.

Unter diesem Titel soll die Zoom-Ausstellung im kommenden Mozartjahr nämlich laufen. Doch wie "normal" ist einer, den die Direktorin Elisabeth Menasse-Wiesbauer als "Klavierspielautomat" beschreibt, als "frühreifen Kompositeur und Wortjongleur, wohlerzogenes Kleingenie, adretten Musikus vor höfischer Gesellschaft, selbstbewusst provozierenden Schlingel".

Wie normal war einer, der in seinen (Bäsle-)Briefen schrieb: "Ja ja, ich bin meiner sache gewis, und sollt ich heut noch machen einen schiss, obwohl ich in 14 Tägen geh nach Paris." Ein Genie, gewiss. Für Kinder vielleicht ganz normal, die würden das schnell begreifen und nachvollziehen. Doch weniger Biografisches wolle man denen vorsetzen, so Menasse-Wiesbauer, sondern auch "ein Gefühl für die Ästhetik dieser Zeit vermitteln".

"Kinder in Rollen schlüpfen lassen"

Herbert Lachmayer vom Da-Ponte-Institut wiederum will auch die "exorbitanten Fähigkeiten Mozarts zeigen in der Umgebung, in der das Werk entstand", will auch vermitteln, dass "Reisen eine Schule war". Es gelte also, "Kinder in Rollen schlüpfen zu lassen", wie damals in der "inszenierten Gesellschaft", in der auch "Affekte inszeniert" waren, als "Gefühle, die romantische Innerlichkeit erst im Entstehen" waren.

Doch wie werden sich die Kinder der genialen Figur nähern, von der Lachmayer stellvertretend für die Erwachsenenwelt spricht? - Mozart sei "nicht eine Persönlichkeit gewesen, er ist nicht so fassbar zu machen, sondern besteht aus vielen Kompetenzen".

Als riesiger Bühnenraum soll die Ausstellung sich im April präsentieren, Mozarts Reisen, die Spiele seiner Zeit sollen Themen sein. Doch vielleicht gilt es ja auch bei all dem nur, den Kindern von heute Scheu und Zurückhaltung zu nehmen. Etwa die Scheu, Sachen zu Papier zu bringen wie: "Bevor ich Ihnen schreibe, muß ich aufs Häusel gehen --- ietzt ist's vorbey! ach! -- nun ist mir wieder leichter ums Herz!" (Roman David-Freihsl, DER STANDARD - Printausgabe, 4. November 2005)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mozart und das Kind: eine erste Annäherung im Kunstprojekt "Mozart-Minute by Bady Minck".

Share if you care.