Salzburger Arbeitskampf am Operationstisch

4. November 2005, 19:43
posten

Flexiblere Dienstzeiten als möglicher Ausweg

Salzburg - Dann werde man ab 2006 trotz Einkommenseinbußen statt bisher bis zu 70 nur höchstens 48 Stunden pro Woche im Dienst sein. Die Ankündigung der knapp 300 Mittelbauärzte an den Salzburger Landeskliniken, sich auf den "Dienst nach Vorschrift" zu beschränken, wenn der Dienstgeber Land im aktuellen Arbeitskampf hart bleiben und statt der geforderten 16-prozentigen Gehaltserhöhung nur acht Prozent gewähre, lässt Land und Klinikleitung um die medizinische Versorgungssicherheit bangen. Ein mit Primarärzten und Klinikleitung besetzter Krisenstab wurde gebildet.

Um die drohende Lücke zu schließen, sind seit vergangener Woche 50 Ärzteposten ausgeschrieben. Besonders erfolgreich war die Suche fürs Erste aber nicht. Zwar hätten sich 30 Interessierte gemeldet, darunter aber "nicht allzu viele" Fachärzte, berichtet Kliniksprecherin Mick Weinberger im STANDARD-Gespräch.

Der Krisenstab sucht daher auch nach anderen Möglichkeiten, die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Ein Ausweg aus dem Nein von Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) zu mehr als acht Prozent Lohnerhöhung und den Ärzteforderungen wären flexiblere Arbeitszeiten: Hier könnte das Land entgegenkommen, ohne dass dies etwas kostete. Fest steht nach der Tagung des Krisenstabs am Donnerstag: Die medial kolportierte Möglichkeit, die Ärzte per "Notstandsverordnung" für Krisen- und Katastrophenfälle in den Dienst zu zwingen, werde nicht kommen, heißt es von Klinikseite und im Büro Burgstaller unisono. Einzig denkbare Variante: Mit Zustimmung des Arbeitsinspektorates wäre eine begrenzte, auf Teilbereiche beschränkte Aussetzung der 48-Stunden-Woche möglich. (neu, DER STANDARD - Printausgabe, 4. November 2005)

Share if you care.