Erster Streitfall für Schaunig

4. November 2005, 18:06
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Seebühne mit Spitalsgeld finanziert

Klagenfurt - Kaum gewählt, hat die neue Kärntner SPÖ-Chefin Gaby Schaunig schon mit einer brisanten Altlast zu kämpfen. Schaunig möchte Jörg Haiders teures Prestigeprojekt, die Klagenfurter Seebühne, beenden. Haider und sein Kulturreferent Martin Strutz wollen diese jedoch unbedingt mit Landesmitteln weiterführen.

Ausgerechnet Schaunigs Vorgänger und Haiders Ex-Koalitionspartner Peter Ambrozy, hat nun vor seinem politischen Abgang 340.000 Euro Landesgeld für die marode Seebühne freigegeben, das er selbst monatelang blockiert hatte. Das sei aufgrund eines Gutachtens der Verfassungsabteilung notwendig gewesen, betonte Ambrozy. Entgegen seiner ursprünglichen Meinung wäre für diesen Betrag doch kein Regierungsbeschluss nötig. Außerdem sieht das gemeinsame orange-rote Koalitionsabkommen eine Doppelunterschrift für die Landesbuchhaltung vor. Was Ambrozy, der bisher Gesundheitsreferent war, verschwieg: Ein Teil der neuerlichen Finanzspritze für die Seebühne (genau: 181.221,59 Euro) wurde aus dem Kärntner Krankenanstaltenfonds umgeschichtet - und zwar über die Beiträge des Landes (zuständig ist Finanzreferent Haider). Weitere 158.778, 41 Euro kommen von den in Bau befindlichen Villacher Tourismusschulen, der Rest über die Cine Culture Carinthia GesmbH. So mancher Genosse fragt sich jetzt verwundert, warum Ambrozy diese brisante Seebühnen-Finanzierung aus Spitalsmitteln nicht politisch thematisiert hat.

Höchst zufrieden zeigt sich dagegen Kulturreferent und Kärntner BZÖ-Obmann Martin Strutz: "Die SPÖ hat die Blockade wieder aufgehoben. Nicht alle folgen Schaunig". Strutz schlägt jetzt eine koalitionäre Arbeitsgruppe vor, um die Zukunft der Seebühne zu sichern und sieht die Koalition trotz Schaunig wieder in ruhigem Fahrwasser. Die SP-Chefin meinte: "Wir können die Vergangenheit nicht ändern. Mein Ziel bleibt jedoch, dass die Seebühne geschlossen wird". In ÖVP-Obmann Josef Martinz hätte sie bereits einen Verbündeten. (DER STANDARD, Printausgabe, 04.11.2005)

Von Elisabeth Steiner
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