Tatort soll zur Polizei kommen

6. November 2005, 21:14
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Wiener wundert sich über Amtshandlung nach Autoeinbruch - Von Polizistin aufgefordert, mit Auto vorzufahren

Wien – Do-it-Yourself ist in Zeiten des geilen Geizes zwar beliebt, dass auch die Polizei diesem Trend folgt, war Herrn G. aber neu. Umso überraschter war der 32-jährige Wiener diese Woche, als er gebeten wurde, einen Tatort doch bitte bei der Polizeiinspektion vorbeizubringen.

Folgendes war in der Nacht auf Mittwoch passiert: Der Angestellte hatte nach einer Reise sein Auto kurz im Wiener Gemeindebezirk Brigittenau abgestellt, um seinen Hund abzuholen. Als er zurückkam und in sein Auto einstieg, merkte er, dass Koffer und Rucksack vom Beifahrersitz fehlten. Ein Autoeinbrecher hatte mittels Schlossstich die Beifahrertür geknackt und war mit Laptop, Kleidung und Schlüsseln verschwunden.

"Wos woin S' denn?"

Hilfe begehrte der IT-Angestellte bei der nicht einmal 100 Meter entfernt gelegenen Polizeiinspektion. "Ich habe geläutet, war mir aber nicht sicher, ob das Wachzimmer vielleicht aufgelassen worden war, weil kein Licht brannte", schildert er. Nach geschätzten fünf bis zehn Minuten Geklingel ging schließlich ein Fenster auf, eine scheinbar schlaftrunkene Polizistin steckte mit den Worten "Wos woin's denn" den Kopf heraus.

Herr S. schilderte sein Problem, die exekutive Unterstützung kam aber nicht in der gewünschten Form. "Die Beamtin hat mich gebeten, ich solle mit dem Auto vorfahren, damit sie sich die Sache ansehen könne. Sie sei nämlich alleine und habe viel Arbeit", berichtet der 32-Jährige.

Das Einbruchsopfer entschied sich schließlich doch anders, ging zurück zum Wagen und rief die Funkstreife. Die kam dann auch, musste aber zunächst telefonisch mit Kriminalbeamten noch abklären, ob eine Spurensicherung nötig und sinnvoll sei. War sie nicht, daher konnte man zurück zur Polizeiinspektion gehen und die Anzeige aufnehmen. "Daheim bin ich dann draufgekommen, dass diese angeblich von der Polizistin geschrieben worden war und nicht von dem Funkstreifenbeamten", wundert sich Herr S. über die Arbeitsteilung.

Wiens stellvertretender Landespolizeikommandant Karl Mahrer ist über die Schilderung des Einbruchsopfers verwundert, will der Sache nun aber nachgehen. (Michael Möseneder, DER STANDARD - Printausgabe, 4. November 2005)

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