Das Labor auf einem Biochip

14. November 2005, 20:24
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Mit einem Bündel an Innovationen will Philips die medizinische Versorgung in den nächsten Jahren verändern

Wien – "Der Gesundheitsmarkt wächst enorm", sagt Robert Körbler, Geschäftsführer Österreich von Philips Medizinische Systeme. "Wir legen deshalb unseren Fokus stark auf diesen Bereich."

Frühere Diagnosen

Dabei, erklärt Paul Smit, als Senior Vice President zuständig für Strategie und Geschäftsentwicklung bei Philips Medizinische Systeme, geht es darum, die verschiedenen Technologien – die sich sehr rasant entwickeln – zu verzahnen. Ziel dabei ist nicht nur, Patienten von Weg- und Wartezeiten zu entlasten, sondern vor allem künftig Krankheitsbilder früher feststellen zu können. Smit: "Das erhöht die Heilungschancen und reduziert die Kosten."

Als Beispiel führt er die Computertomografie an, mit der mittlerweile dreidimensionale Filme gemacht werden können, sodass ein betroffenes Organ rundum gescannt werden kann. Bei dieser "Computer Aided Diagnostic" müssen nicht mehr Ärzte die Bilder auf Tumore oder andere Symptome absuchen: Dies übernimmt ein Softwareprogramm. Weit fortgeschritten ist diese Untersuchungsmethode im Bereich Lungenkrebs und bei Herzattacken.

Viel versprechend sind die Forschungen im Bereich Molekular-Medizin, wo Philips im Bereich molekulare Bildgebung und Chips als molekulare Biomarker forscht. "Durch die Betrachtung des Molekularprozesses einer Krankheit ergibt sich ein enormes Potenzial für die Früherkennung", erklärt Smit. "Denn eine Krankheit kündigt sich viel früher an; man muss nicht auf den Ausbruch warten."

Biochips

Hand in Hand mit der Molekular-Medizin forscht Philips an Biochips, die in der Lage sind, in Körperflüssigkeiten wie Blut oder Speichel das Vorkommen oder die Veränderung von Proteinen festzustellen. Ziel von Philips ist dabei, eine "Lab-on-a-chip"-Lösung zu schaffen. Dabei sollen quasi die Chips mit nur einem Tropfen Blut eine DNA- oder Eiweiß-Analyse vornehmen können. "Die ersten Anwendungen dafür wird es bei Infektionskrankheiten geben", kündigt Smit an.

Cluster bilden

Natürlich ist es bei diesen enorm teuren Geräten notwendig, innerhalb der Krankenhäuser die Arbeitsabläufe zu verändern bzw. mit mehreren Spitälern zusammen Spezialisierungs-Cluster zu bilden. Die Bereitschaft, dies zu tun, ist bei europäischen Anstalten weniger gegeben als bei US-amerikanischen, beobachtet Smit. Erst wenn die Ins^titutionen im Wettbewerb zueinander stehen, verändern sie Arbeitsabläufe. "Die Bereitschaft, etwas zu verändern, hängt auch sehr von der Führung ab", ist Smit überzeugt. (ruz, DER STANDARD Printausgabe, 04.11.2005)

  • Artikelbild
    foto: philips
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