Unmögliche Mission für Kallio

6. November 2005, 20:24
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KTM-Pilot in Valencia mit fast aussichtslosem Rückstand ins WM-Finale - Rossi will 12. Saisonsieg und Doohan-Rekord

Wien - Valentino Rossi will mit dem 12. Saisonsieg den Rekord von Mick Doohan egalisieren, Dani Pedrosa sich mit einem Sieg vom Heimpublikum und von der 250er-Klasse verabschieden. Der Thriller beim Saisonfinale der Motorrad-WM am Sonntag in Valencia ist aber das Titelmatch in der 125er-Klasse (live ab 10:45 Uhr in ATVplus). Während Rossi und Pedrosa in ihren Klassen als Champions längst fest stehen, kämpft der KTM-Finne Mika Kallio um seine minimale WM-Chance.

Ein fast aussichtsloses Unternehmen, geht Kallio doch mit 23 Punkten Rückstand auf den Schweizer WM-Leader Tom Lüthi (Honda) ins letzte Rennen, Lüthi genügt selbst bei einem Kallio-Sieg Platz 13, um mit 19 Jahren und 61 Tagen der sechst-jüngste Motorrad-Weltmeister der Geschichte zu werden. Umgekehrt reicht ein vierter Platz eines KTM-Piloten, um der 13 Punkte vor Honda liegenden Edelschmiede aus Mattighofen die Marken-Meisterschaft und damit den ersten Straßen-WM-Titel für Orange zu sichern.

Ein toller Erfolg, wiewohl der Markentitel den verpassten Fahrer-WM-Titel keinesfalls ersetzen kann. Denn der war das klare Saisonziel von KTM gewesen. Zu viel ist schief gegangen, obwohl KTM meist das schnellste Motorrad hatte. Kallio gab im Vergleich zu Lüthi zu oft den "fliegenden Finnen", dazu kam Pech wie in Motegi, als der gestürzte Schweizer trotzdem 20 Punkte bekam.

Der Knackpunkt war aber die Wahnsinns-Aktion von Gabor Talmacsi in Katar gewesen, als ausgerechnet der ungarische Teamkollege Kallio auf dem Zielstrich den Sieg gestohlen hatte. "Das hat das Team auseinander gerissen und Lüthi gestäkt", ist KTM-Projektleiter Pit Beirer überzeugt.

Trotz der vermutlichen "Mission Impossible" in Spanien wirft KTM nochmals alles in die Schlacht. Teamchef Harald Bartol hat weitere Leistungsverbesserungen gefunden, sogar die 250er wird zu Hause gelassen und KTM-Chef Stefan Pierer fiebert an der Seite von Heinz Kinigadner vor Ort mit. "Kallio kann das Rennen aus eigener Kraft gewinnen. Das ist auch unsere einzige Chance, denn was Lüthi tut, liegt nicht in unserer Hand", so Beirer.

Es liegt also doch noch viel Brisanz im Titelkampf. Ein "Foul" als Wegbereiter zum Titel schließt Beirer aber kategorisch aus. "Talmacsi ist zwar Kickboxer, wir wollen aber sportlich gewinnen und mit Anstand verlieren", kann sich der Ex-Motocrosser nicht vorstellen, dass der Ungar eine unfaire Wiedergutmachungs-Aktion startet, um doch noch einen KTM-250er-Vertrag für 2006 zu bekommen. Beirer: "Wir werden ihm sowieso einen Vertrag anbieten." Nachsatz: "Aber wenn dem Lüthi in Valencia die Zündkerze kaputt geht, stört uns das natürlich nicht."

120.000 Zuschauer werden beim GP von Valencia erwartet, sie wollen endlich Sete Gibernau siegen sehen und Leitner-Schützling Pedrosa beim Abschied aus der Viertelliter-Klasse gebührend feiern. Yamaha wird anlässlich des 50. Geburtstages und der überragenden sportlichen Erfolge das Werksteam mit Rossi und Colin Edwards in den Traditions-Farben rot-weiß-schwarz antreten lassen. Jenen Farben, in denen vor exakt 30 Jahren Giacomo Agostini den ersten 500er-WM-Titel für die Japaner geholt hat.(APA)

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