In die Masuren und ans Schwarze Meer

25. November 2005, 15:12
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CIA-Flugzeuge mit Geheimhäftlingen sollen aus Island gekommen sein - EU-Kommision hält Dementi für glaubhaft

Washington/Bukarest – Der dänische Verkehrsminister Flemming Hansen brachte die Sache ins Rollen. Vergangene Woche berichtete er dem Parlament, dass ein Transportflugzeug für CIA-Häftlinge aus Island kommend den dänischen Luftraum durchquerte. Ungarische Medien berichteten nun über die Landung einer Maschine der "Devon Holding and Leasing" mit der Nummer N168D am 3. Oktober 2005 in Budapest.

Das Flugzeug soll der CIA gehören. Die Passagiere, die aus dem isländischen Keflavik kamen, verbrachten die Nacht in Ungarn. Die Behörden bestätigten, dass der Grenzschutz das Flugzeug überprüfte. Ob sich auch CIA-Häftlinge auf dem Flugzeug befanden, will keiner beantworten.

Medien berichteten auch von einem CIA-Flugzeug, das nach Temesvar und auf die US-Militärbasis in der Nähe von Constanza am Schwarzen Meer geflogen sei. Und zwar zu einem Zeitpunkt, als die Basis noch als Logistikzentrum und Nachschublager für den Krieg im Irak gedacht war.

"Keine Informationen"

Die Reaktionen aus Rumänien waren zurückhaltend. Der rumänische Inlandsgeheimdienst SRI etwa ließ verlautbaren, dass er "keine Informationen" über solche Geheimhäftlinge habe, auch aus der Präsidentschaftskanzlei war Ähnliches zu hören. Nur Premier Calin Popescu-Tariceanu widersprach den Gerüchten. Laut der polnischen Zeitung Gazeta Wyborcza ist auf dem Militärflughafen Szymany in den Masuren für den 22. September 2003 jedenfalls die Landung einer Boeing 737 mit der Flugzeugnummer N313P mit Flug aus Kabul dokumentiert. Neben dem Flughafen befindet sich eine amerikanische Luftwaffenbasis.

Einen Tag später flog die Maschine laut Human Rights Watch (HRW) auf den rumänischen Militärflughafen Mihail Kogalniceanu am Schwarzen Meer. Die EU-Kommission in Brüssel zweifelt nicht an den Dementis der Polen und Rumänen. "Es ist klar, dass wir diese Erklärungen für wahr halten", sagte ein Sprecher von EU-Justizkommissar Franco Frattini.

Für das Vorhandensein von geheimen Gefängnissen gebe es "keine Beweise". Außerhalb Europas werden US-Gefangenenlager in Pakistan und dem US-Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean vermutet. In Jordanien soll die CIA das Gefängnis Al Jafr für "Einvernahmen" nützen. Auch in Ägypten, Saudi- Arabien oder Marokko sollen Terrorverdächtige von US-Geheimdienstlern einvernommen werden. Spekulationen gibt es über "schwimmende Gefängnisse" auf den Militärschiffen USS Bataan und USS Peleliu. (APA, awö, kl/DER STANDARD, Printausgabe, 5./6.11.2005)

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