Vielfalt ohne Scheu vor Kontroversen

9. November 2005, 00:52
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13. Jüdische Filmwoche bis 17.11. in Wien - Eröffnungsfilm "Free Zone" und kleine Werkschau von Amos Gitai

Wien - Jüdisches Leben aus aller Welt präsentiert vom 3. bis 17. November in Wien wieder die 13. Jüdische Filmwoche. 60 Spiel- und Dokumentarfilme, darunter 15 Österreich- und zwei Weltpremieren, stehen im De France und Votivkino, sowie in zwei Sonder-Vorstellungen in der Urania, auf dem Programm. Die Vielfalt jüdischen Lebens solle mit der Filmschau dokumentiert werden, von säkulär bis religiös, von der Auseinandersetzung in heutigen Konflikten bis zur Spurensuche nach dem Holocaust, erläuterte Veranstalter Frederic Gerard Kaczek bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien. Um eine jährliche Jüdische Filmwoche weiterhin anbieten zu können brauche man jedoch mehr Unterstützung, insbesondere von der öffentlichen Hand.

Amos Gitai

Als Eröffnungsfilm in der Urania läuft der neue Streifen "Free Zone" des Filmemachers Amos Gitai, dem heuer eine Werkschau mit zwei weiteren Spielfilmen und drei Dokus gewidmet ist. Der Israeli sieht die Schilderung der Begegnung einer Israelin, einer Amerikanerin und einer Palästinenserin in der "Freien Zone" als Zeichen, dass der palästinensisch-israelische Konflikt zu erschöpfend von den internationalen Medien abgehandelt wird. "Die Menschen im Nahen Osten sind es müde, immer eine Rolle für andere zu spielen", meinte Gitai. Für die Teilnahme an der Jüdischen Filmwoche in Österreich hat er sich auch entschieden, um gerade "in einem Land, wo ein Haider Stimmen bekommen hat", präsent zu sein.

Konrad Wolf

Ein weiteres Special gilt dem DDR-Regisseur Konrad Wolf (1925-1982), von dem die drei Filme "Sonnensucher" (1958), "Sterne" (1959) und "Professor Mamlock" (1961) gezeigt werden - eine Art Trilogie über Deutschland und die Zeit des Nationalsozialismus. Erstmals präsentieren sich heuer fünf israelische Filmschulen mit Abschlussarbeiten ihrer Studenten, wobei religiöse und säkuläre Schulen vertreten sind. Ein weitere kleiner Schwerpunkt fokussiert die israelischen Minderheiten der Drusen und Beduinen.

Mit ihrer ideologischen Toleranz hat sich die "Österreichische Gesellschaft zur Förderung und Erhaltung der Jüdischen Kultur und Tradition" als Veranstalter im Vorjahr sogar Kritik von Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde zugezogen. Trotzdem will man weiterhin dem offenen Dialog verpflichtet bleiben. So hat als eines der diesjährigen Highlights am 11.11. in der Urania der Spielfilm des palästinensischen Regisseurs Hany Abu-Assads "Paradise Now" Premiere. Im Anschluss an den bei der Berlinale ausgezeichneten, aber durchaus umstrittenen Film über Selbstmordattentäter findet eine Podiumsdiskussion statt. Zum Thema Naher Osten wird weiters unter anderem die Doku "10 Days in Gaza" über die Räumung der Siedlungsgebiete im Sommer dieses Jahres präsentiert.

Simon Wiesenthal

Zum 10. Jahrestag der Ermordung von Israels Premierminister Yitzhak Rabin steht am 4.11. Amos Gitais Doku "Sirat Ha-Rezach (The Arena of Murder)" auf dem Programm. Am Jahrestag des Novemberpogroms wird am 9. 11. der Film "The Grey Zone" über das Konzentrationslager Auschwitz gezeigt. Zu Ehren des im September verstorbenen Simon Wiesenthal wird am 11. 11. das 1989 im ORF gesendete Bio-Pic "Murderers Among Us (Recht - Nicht Rache)" präsentiert. Marceline Loridan-Ivens stellt mit ihrem autobiografischen Streifen "La petite prairie aux bouleaux (Birkenau und Rosenfeld)" mit August Diehl den ersten Spielfilm vor, der am Originalschauplatz eines Vernichtungslagers gedreht werden durfte.

Die französische Doku "Shalom Vienna" zeigt jüdisches Leben in Wien vor und nach dem Zweiten Weltkrieg. Das heimische Filmschaffen vertritt einer der jüngsten Regisseure des Festivals: Der Wiener Emil Rennert hat sich als Gymnasiast in "Eine verschwundene Welt" auf die Suche nach seinen Vorfahren in der Bukowina begeben. Österreichische Wurzeln hat auch der in Linz geborene israelische Produzent Micha Shagrir, der mit "Mabatim, Jeruschalajim (Moments, Jerusalem)", das sind 15 Kurzfilme über Jerusalem, anreist. (APA)

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  •  "Free Zone"
    foto: filmwoche

    "Free Zone"

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