Prostatakarzinom: Androgen-Blocker reduziert Sterblichkeit

3. November 2005, 12:55
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Studie: Entstehen von Knochenmetastasen wird verhindert

Wien - Die zusätzliche Behandlung von Patienten mit einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom mit einem Hemmstoff der männlichen Geschlechtshormone (Androgene) zu einer Strahlentherapie oder nach chirurgischer Entfernung des Organs reduziert die Sterblichkeit der Betroffenen um 35 Prozent und verhindert auch das Entstehen von Knochenmetastasen. Das hat eine Analyse der Daten aus der bisher größten wissenschaftlichen Studie zu diesem Thema ergeben, hieß es am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Der Hintergrund: Das Prostatakarzinom ist eines der bedeutendsten Gesundheitsprobleme der westlichen Gesellschaft. Es ist das am häufigsten diagnostizierte männerspezifische Karzinom mit jährlich rund 5.000 neu diagnostizierten Fällen in Österreich. Wenn durch eine frühzeitige radikale Operation allein keine Heilung möglich ist, kommt es auf die möglichst lange Hemmung des Tumorwachstums an. Hier kommen Wirkstoffe wie Bicalutamid zum Einsatz, welche als Antiandrogene wirken. Das Wachstum von Prostatakarzinomen ist von den männlichen Geschlechtshormonen abhängig.

Ergebnisse

In der internationalen Studie mit mehr als 8.000 Teilnehmern im Alter zwischen 38 und 93 Jahren waren Patienten mit einem lokal fortgeschrittenem Prostatakarzinom entweder per radikaler Operation oder mit Strahlentherapie allein oder zusätzlich mit dem Antiandrogen behandelt worden. Die Ergebnisse nach durchschnittlich 7,4 Jahren Beobachtungszeit:

  • Die zusätzliche Verabreichung des Antiandrogens führte zu einer Verringerung der Häufigkeit des Fortschreitens der Erkrankung um 31 Prozent.

  • Die Sterblichkeit der Patienten durch die Folgen des Prostatakarzinoms wurde um 35 Prozent verringert.

  • Bei den mit dem Antiandrogen Behandelten kam es um 36 Prozent seltener zur Bildung von Knochenmetastasen (Tochtergeschwülste).

    "Unabhängig von der Ersttherapie (Strahlen oder Operation, Anm.) verzögert der Wirkstoff das Fortschreiten der Erkrankung bei diesen Patienten", erklärte Univ.-Prof. Dr. Karl Pummer, Universitätsklinik für Urologie Graz. (APA)

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