UNO gehen Nahrungsmittel aus

4. November 2005, 15:18
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Es geht um das blanke Überleben aber es fehlt an Geld - neben Hunger und Kälte breiten sich nun auch noch Krankheiten aus

Muzaffarabad - Dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) gehen die Hilfsgüter für die Menschen im pakistanischen Erdbebengebiet aus. Wenn nicht bald weitere Spenden eingingen, werde man die Hilfsflüge in der Region Kaschmir schon in drei bis vier Tagen einschränken und möglicherweise ganz einstellen müssen, teilte WFP-Sprecher Robin Lodge mit. Von den erbetenen 100 Millionen Dollar (80 Millionen Euro) sei bisher nur ein Zehntel eingegangen, sagte Lodge.

17 Hubschrauber in entlegene Gebiete unterwegs

Derzeit versorgt das WFP mit 17 Hubschraubern entlegene Dörfer in den Bergen Kaschmirs, die über die vielfach noch immer verschütteten Straßen kaum zu erreichen sind. Tausende von Menschen seien dort dringend auf Hilfe angewiesen, hob auch der UN-Koordinator für humanitäre Einsätze, Jan Egeland, in einem Fernsehinterview hervor. Sie drohten "sich zu Tode zu frieren, zu verhungern oder wegen des verseuchten Wassers krank zu werden".

Noch immer versperren Geröll viele Straßen

Hilfe sollen die Erdbebenopfer künftig im indischen Teil Kaschmirs erhalten, wo entlang der Grenze mehrere Stationen zur Versorgung von Überlebenden aus beiden Staaten errichtet werden. Auf indischer Seite sei die wichtigste der nach dem Beben verschütteten Straßen Richtung Grenze nun geräumt, teilten die Behörden am Donnerstag mit. Nächste Woche sollten per Lastwagen die ersten Hilfsgüter zum Grenzkontrollposten Kaman gebracht werden, wo eine der Hilfsstationen eröffnet werden soll. Auf pakistanischer Seite ist der Weg zur Grenze knapp vier Wochen nach dem Erdbeben aber noch durch Erdmassen und Geröll versperrt.

Lungenentzündung und Durchfall breiten sich aus

Unter den Überlebenden der schwer getroffenen Erdbebengebiete im nördlichen Pakistan breiten sich den Vereinten Nationen (UN) zufolge immer mehr gefährliche Krankheiten aus. Die Menschen litten zunehmend an akuten Atemwegserkrankungen, die zu einer Lungenentzündung führen könnten, berichtet der UN-Hilfskoordinator Rashid Khalikov in Muzaffarabad.

Zudem habe es erste Todesfälle wegen Durchfallerkrankungen gegeben, die auf verschmutztes Trinkwasser zurückzuführen seien. Das UN-Kinderhilfswerk erklärte, in überfüllten Zeltlagern breiteten sich die Masern rasant aus.

Drei Millionen Obdachlose

Hilfsorganisationen warnen verzeifelt seit Tagen, die bisherige Opferzahl könne noch dramatisch steigen, wenn die rund drei Millionen Obdachlosen nicht vor Wintereinbruch versorgt würden.

73.000 Tote

Erst am Mittwoch war die offizielle Totenzahl für Pakistan von rund 58.000 auf rund 73.000 nach oben korrigiert worden. Von fast 70.000 Schwerverletzten ist die Rede. Im benachbarten Indien starben weitere 1300 Menschen. Den UN zufolge sind bislang nicht genug Spenden für umfangreiche Soforthilfen eingegangen.

Das Beben der Stärke 7,6 hatte die zwischen Pakistan und Indien geteilte Kaschmir-Region am 8. Oktober getroffen. Es war das schwerste Erdbeben in Südasien seit 100 Jahren.(APA)

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    Die Tage und Nächte werden immer kälter, dennoch gibt es noch immer nicht genug Zelte für alle Erdbeneopfer. Im Bild: Balakot

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