Österreich: 290.000 auf Jobsuche

21. November 2005, 14:43
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Die Arbeitslosigkeit hat im Oktober einen Nachkriegsrekordwert erreicht: Die Arbeitslosenquote stieg von 6,5 auf 6,8 Prozent

Wien – Die Arbeitslosigkeit in Österreich, wenn auch im EUVergleich noch immer an herzeigbar fünftbester Stelle, steigt und steigt. Trotz aller Versuche gegenzusteuern, waren im Oktober 237.582 Menschen (plus 5,8 Prozent) arbeitslos, inklusive der neuerlich um acht Prozent auf rund 53.000 gestiegenen Zahl an Schulungsteilnehmern sind derzeit mehr als 290.000 Menschen in Österreich auf Jobsuche.

Die Arbeitslosenquote stieg im Vorjahresvergleich von 6,5 auf 6,8 Prozent – das ist Nachkriegsrekord, wie AMS-Sprecherin Beate Sprenger bestätigt. Für den Winter erwartet sie zuzüglich der Schulungsteilnehmer bis zu 360.000 Jobsuchende in Österreich. Die SPÖ-Befürchtung von 400.000 Arbeitslosen im Winter hält Sprenger für „deutlich übertrieben“.

Wie geht es weiter?

Die Frage ist aber dennoch: Wie geht es weiter? Was bringt das neue Beschäftigungspaket der Regierung, das für 285 Mio. Euro zusätzliche Schulungen für 60.000 Personen finanziert? Sinkt die Arbeitslosigkeit zumindest 2006? Während Sprenger relativ optimistisch von einer „schlimmstenfalls stabilen“ Entwicklung ausgeht, erwartet Helmut Mahringer, Arbeitsmarktexperte am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), für das Wahljahr 2006 „keine Trendwende“.

Die Arbeitslosigkeit werde nicht sinken, der Anstieg – der seit dem Jahr 2000 zu beobachten ist – bestenfalls gedämpft. Zu kräftig steige schließlich das in- und ausländische Arbeitskräfteangebot. Mahringer: „Die Migrationsszenarien haben nicht gehalten.“ Waren im Jahresdurchschnitt 2000 in Österreich noch rund 194.000 Menschen ohne Arbeit, erwartet das Wifo für heuer und 2006 – wieder im Jahresdurchschnitt berechnet – etwas mehr als 250.000 Betroffene. Positive Meldungen vom heimischen Arbeitsmarkt bekommen da langsam Seltenheitswert.

Mehr Lehrstellen

Positiv ist jedoch, dass rund 40.000 Arbeitslose, das entspricht einem Anteil von knapp 17 Prozent aller Arbeitslosen, schon wieder eine Einstellungszusage für einen neuen Arbeitsplatz haben. Erfreulich auch, dass im Oktober die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen um 82 Prozent oder 1873 gestiegen ist, wodurch sich die „Lücke“ an fehlenden Ausbildungsplätzen im Jahresabstand von 3941 auf 2693 doch deutlich verringert hat.

Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen, das sind jene, die schon länger als ein Jahr auf Jobsuche sind, sank um 46 Prozent auf rund 9900 Betroffene. Sprenger: „Dieser Erfolg geht auf das Konto von Wien, das hier sehr viel investiert hat.“ (Michael Bachner, DER STANDARD Printausgabe, 04.11.2005)

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AMS
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