Visa-Affäre weitet sich aus

30. November 2005, 17:54
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Nach Budapest, Belgrad und Bukarest auch Fall in österreichischer Botschaft in Ägypten

Wien - In der Affäre um den Visa-Handel an österreichischen Auslandsvertretungen gibt es Hinweise, dass auch an der österreichischen Botschaft in Kairo Visa verkauft worden sind. Das bestätigte der frühere oberösterreichische Landtagsabgeordnete Helmut Edelmayr (S) am Mittwoch gegenüber der APA.

Er habe per Telefon von einem konkreten Fall von Visa-Verkauf an der Botschaft in Kairo erfahren, der ungefähr fünf Jahre zurückliege, führte Edelmayr aus. Demnach soll ein Österreicher dort einer Äthiopierin ein Visum gegen Entgeld verschafft haben. Im Gegensatz zu den Vorgängen in Belgrad - wo der Visa-Handel offenbar ein "groß angelegtes Geschäft" sei und in Printmedien mit Schengen-Visa gegen Entgeld geworben werde - habe er für Ägypten bisher "keinen nachweisbaren Anhaltspunkt" für organisierte Netzwerke oder "Infogruppen", so Edelmayr.

Edelmayr bestätigte, der zuständige Untersuchungsrichter habe ihn für Freitag geladen. Er werde dem Richter auch die Informationen - inklusive eines Namens - übergeben, die er zu dem Vorfall in Kairo erhalten habe.

Der mögliche Visa-Handel war Ende September durch Vorgänge in Budapest aufgeflogen. Ein aktiver Diplomat aus dem konsularischen Dienst und ein pensionierter Mitarbeiter der Konsularabteilung wurden im Zuge der Ermittlungen festgenommen. Ihnen wird vorgeworfen, in den Jahren 2002 und 2003 Visa gegen Entgelt ausgestellt zu haben. Insgesamt sitzen laut Staatsanwaltschaft vier Personen in Haft, es wird auch gegen drei Firmen ermittelt, die falsche Einladungen ausgestellt haben sollen.

Edelmayr berichtete, die ehemalige österreichische Außenministerin Benita Ferrero-Waldner im Mai 2002 detailliert über den Visa-Handel in Belgrad informiert zu haben.

Inzwischen hat sich die Affäre auch auf die Vertretungen in Belgrad und Bukarest ausgeweitet. Auch sollen durch einen inzwischen angeklagten österreichischen Ex-Konsul in Nigeria hunderte, wenn nicht tausende nigerianische Staatsbürger gefälschte Visa erhalten haben. (APA)

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