Am Gelenk das Gedenk

14. Februar 2006, 14:46
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Klassiker sind zeitlos und doch zeitlich verortet - Sie erzählen von Stilepochen, erhalten Bewährtes

Doch wie kann man der Schönheit der Klassiker neuen Reiz verleihen? Robert Haidinger stellt einige besondere Uhrenklassiker vor - samt ihren Neuinterpretationen.

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IWC Ingenieur Automatic
Fünfzig Jahre musste die berühmte "Ingenieur", eines der bekanntesten Modelle von IWC Schaffhausen, auf das Comeback warten. Sportlich, attraktiv und besonders strapazierfähig verkörpert sie seit 1954 Purismus auf höchstem Niveau - genau hier setzte die neue "Ingenieur Automatic" denn auch an. Sie ist wie ihre Vorgängerinnen durch ein Weicheisen-Innengehäuse gegen Magnetfelder bis zur unglaublichen Feldstärke von 80.000 A/m geschützt. Behalten hat sie ferner den Klinkenaufzug nach Pellaton in der Automatikversion. Neu gerechnet wurde hingegen das für hohe Beanspruchungen besonders geeignete Aufzugssystem. Und das äußere Erscheinungsbild? Unübersehbar ist die Nähe zur "Ingenieur SL" von 1976, einem der bekanntesten Modelle der legendären Serie. Den Miniaturisierungs-Trend der 80er-Jahre, der immer flachere Uhren erzwang, entzieht sie sich aber souverän. Die neue "Ingenieur" etabliert sich mit einer Gehäusegröße von 42,5 mm lieber in der Dimension zeitgemäßer Sportuhren.

Hampton Classic Square XL
Zehn Jahre sind eine lange Zeit - und zugleich auch nicht. Für den Genfer Hersteller Baume & Mercier war der runde "Zehner" seines 1994 kreierten Flaggschiff-Modells "Hampton Classic" bereits im Vorjahr Grund genug, sich mit der Überarbeitung einer Markenikone zu beschäftigen. Die nach dem High-Society-Treffpunkt auf Long Island benannte Uhr definierte in den Achtziger- und Neunzigerjahren einen neuen Stil, dessen rechteckiger und später leicht gewölbter Look prompt zahlreiche Nachahmer auf den Plan rief. Frischen Wind in eigener Sache brachte anlässlich des zehnten Geburtstages die Variante "Hampton Classic Square XL". Unverbrüchlich die Modernität, die das markant quadratische Modell und seine aufs Wesentliche reduzierte Form ausstrahlen. Sorgfältig gestaltet ist die Hampton auch im Detail: Die braune Tachymeterskala, die farblich mit dem Zeiger des Minutenzählers übereinstimmt, oder die Eleganz der pfeilförmig schwarzen Zeiger belegen dies. Interessant ist freilich auch ein anderes Detail: Bei der Form des Ziffernblattes gingen die Entwerfer der "Hampton Classic Square XL" weit über das eigentliche Entstehungsdatum der Ur-Hampton zurück - und bedienten sich beim Zifferblatt eines quadratischen Baume-&-Mercier-Chronografen aus den fernen Vierzigerjahren.

Cartier Tankissime
Catherine Deneuve, Elton John, Lady Di braucht man nicht eigens vorzustellen. Ebenso wenig wie die Tank-Uhr von Cartier - die von den oben Genannten getragen wird oder wurde. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung, im Jahre 1919, war die kraftvolle Geradlinigkeit dieser Uhr revolutionär: Ermöglicht wurde die charakteristische Form, indem die Befestigungspunkte des Uhrgehäuses am Armband unter dem typischen, kantig-flachen vertikalen Bandanstoß verborgen sind - französische Panzer sollen Louis Cartier übrigens zur Tank-Uhr inspiriert haben. In diesem Jahr wurde mit "Tankissime" die jüngste Variation lanciert. Eine ultrafeminine und fließende Uhr, deren Kettenarmband an die 40er-Jahre erinnert, zugleich aber auch an zeitgenössischen Stil. Ob Gelbgold, Rotgold oder auch mit Diamanten besetzt, ist
dabei eine Frage der persönlichen Glamour-Nuance.

"Monaco Sixty Nine" von Tag Heuer
Sie ist eine Uhr, die leichtfüßig zwischen Generationen - man kann ruhig auch sagen: zwischen Epochen - hin-und herwechselt und sich dabei doch selbst treu bleibt: die "Monaco Sixty
Nine" von Tag Heuer. Das mitunter schwierige Unterfangen, ein klassisches Modell neu zu interpretieren, ersparte sich der Schweizer Hersteller - und zugleich auch nicht. Die Lösung: Die Uhr besitzt zwei Gesichter, die sich mittels einer Drehmechanik wenden lassen. Zwischen Oper und Business - so wie bei der berühmten, auf einer Bodenplatte drehbar gelagerten "Reverso" von Jaeger-LeCoultre - verläuft die horologische Themenwanderung dabei aber nicht. Sondern just zwischen den Welten zweier gegensätzlicher Technologien wechselnd: der mechanischen und der digitalen. Ein mechanisches Ursprungsmodell mit klassischem Zifferblatt, eben die klassische "Monaco", prägt die eine Seite. Im Gehäuse-Umdrehen verwandelt sie sich in eine digitale Stoppuhr, die über ein Quarzmodul verfügt, das die Zeit auf die Tausendstelsekunde genau anzeigt. Im Übrigen wurde die "Monaco Sixty Nine" von der Zeitschrift "Chronos" mit dem Preis für das "Beste Uhrenkonzept 2005" ausgezeichnet.
(Der Standard/rondo/04/11/2005)

  • Cartier Tankissime
    foto: hersteller

    Cartier Tankissime

  • Hampton Classic Square XL
    foto: hersteller

    Hampton Classic Square XL

  • IWC Ingenieur Automatic
    foto: hersteller

    IWC Ingenieur Automatic

  • "Monaco Sixty Nine" von Tag Heuer
    foto: hersteller

    "Monaco Sixty Nine" von Tag Heuer

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