Spielbericht: Zwei Tore, null Punkte

21. November 2005, 11:51
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Rapid verliert nach blitzartiger Führung durch ein Kincl-Kopftor 2:3 bei Club Brügge - Platz drei und UEFA-Cup damit außer Reichweite

Brügge - Österreichs Fußball-Meister Rapid ist auch im vierten Champions-League-Gruppenspiel nicht vom Glück verfolgt worden. Die Wiener mussten sich dem belgischen Meister Club Brügge am Mittwoch zwei Wochen nach der bitteren 0:1-Heimniederlage auch auswärts trotz schneller 1:0-Führung durch Kincl (Kopftor nach 25 Sekunden) mit 2:3 (1:2) geschlagen geben, warten damit nach Gegentoren von Portillo (9.), Balaban (25./Freistoß) und Verheyen (63.) weiterhin auf ihren ersten Erfolg in Europas Königsklasse. Ein Hofmann-Kopftor kam zu spät (81.).

Zweiter CL-Platz dahin

Durch einen 2:1-Heimsieg von Juventus Turin im Parallelspiel gegen Bayern München wurde Rapid auch um die rechnerische Chance gebracht, mit dem dritten Gruppenplatz im Frühjahr international im UEFA-Cup weiter aktiv zu sein. Österreich ist damit im Europacup abgesehen von den beiden abschließenden Rapid-Spielen bei den Bayern (22. November) und gegen Juventus (7. Dezember) im Europacup nur noch Zuschauer, verliert damit den zweiten CL-Qualifikationsplatz für die Saison 2007/08.

Blitzstart

Dabei startete Rapid mit dem Wissen, siegen zu müssen, überfallsartig. Lawaree schickte Dollinger, der auf der linken Außenbahn den Angina-kranken ÖFB-Teamkapitän Andreas Ivanschitz ersetzte, auf die Reise. Der Rapid-Neuzugang flankte bei seinem Debüt in der Königsklasse ideal auf Kincl, der per Flugkopfball nach 25 Sekunden völlig freistehend zum 1:0 traf. "Das war ein Blitzstart, wie man ihn sich besser nicht wünschen kann", meinte Noch-Rapid-Trainer Josef Hickersberger, der im Jänner Nationaltrainer wird.

Ende einer langen Durststrecke

Genau gesagt war es das viertschnellste Tor der Champions-League-Geschichte - Brügge hatte bis dahin noch nicht einmal den Ball berührt. Das schnellste Tor hatte Weltmeister Gilberto im September 2002 beim 4:0-Sieg Arsenals in Eindhoven nach genau 20,07 Sekunden markiert. Rapid beendete mit dem ersten CL-Auswärtstreffer überhaupt seine 610 Minuten andauernde Durststrecke ohne Torerfolg in der Eliteliga - ein kleiner Trost. Zuletzt trafen und punkteten die Hütteldorfer im Oktober 1996 beim 1:1 gegen Juventus Turin (Lesiak/20.).

Abstauber Portillo

Den Anfangselan nahm Österreichs Meister vorerst mit, Kapitän Hofmann scheiterte nach guter Kombination an Brügge-Goalie Butina (3.). Doch wie schon im Hinspiel in Wien (0:1) waren die Belgier mit Glück erfolgreich. Der kroatische Teamstürmer Balaban nahm einen noch dazu umstrittenen Vermant-Corner - Schiedsrichter Alon Yefet (ISR) hatte die Abstoß-Entscheidung seines Assistenten zu Unrecht overruled - von rechts volley. Rapid-Goalie Hedl konnte in seinem ersten Champions-League-Spiel an Stelle des verletzten Payer den Ball nicht festhalten und der von Real ausgeliehene Portillo staubte zum Ausgleich ab. Der Spanier hatte schon am Wochenende in der Liga gegen Gent (2:1) zwei Mal getroffen.

Löchrige Rapid-Mauer

Rapid kämpfte, kam in Form von Lawaree (15.), eines leicht abgefälschten Hofmann-Freistoßes (16.) und eines Dober-Schusses (20./daneben) zu weiteren Chancen, die Tore machten aber die Belgier - zwei aus zwei Torschüssen in Hälfte eins. Sechs Minuten nachdem Brügge ein Bejbl-Handspiel im Strafraum reklamiert hatte (19.), nützte Balaban ein zwischen Dober und Adamski klaffendes Loch in der Rapid-Mauer zu einem präzisen Freistoß ins rechte Eck. Der Kroate hatte schon in Wien den entscheidenden Treffer erzielt. Im offenen Schlagabtausch der beiden in der Defensive weitgehend unsicher aufgestellten Nachzügler in Gruppe A prüfte Kincl Butina noch vor der Pause ein weiteres Mal (36.).

Grün-Weiße Unsicherheiten

Nach Seitenwechsel war bei den glücklosen Rapidlern lange Zeit die Luft draußen, einzig Kapitän Hofmann zeichnete sich mit zwei gefährlichen Freistößen (54., 70./Butina glänzend) aus. Auf der Gegenseite machte es Brügge-"Skipper" Verheyen besser. Der 35-jährige Routinier, der in den 80-er Jahren mit Brügge schon zwei Mal an Rapid gescheitert war, erhöhte nach Assist des der Rapid-Abwehr enteilten Balaban völlig unbedrängt auf 3:1 - ein Tor, um das die Hütteldorfer mit einigen Unsicherheiten in der Hintermannschaft mehrere Minuten förmlich gebettelt hatten.

Hofmann mit Köpfchen

Die Belgier verstanden sich auf das Verteidigen der Führung, doch der starke Hofmann hielt noch einmal dagegen und Rapid mit einem seltenen Kopftor am Leben. Eine Akagündüz-Flanke wuchtete der Deutsche via Innenstange ins Netz, eine echte Drangperiode der Wiener blieb aber ebenso wie der erste Punkt in Gruppe A aus. (APA)

  • Club Brügge - SK Rapid Wien 3:2 (2:1). Jan Breydel Stadion, 27.541 Zuschauer, SR Alon Yefet/ISR.

    Torfolge:
    0:1 ( 1.) Kincl
    1:1 ( 9.) Portillo
    2:1 (25.) Balaban (Freistoß)
    3:1 (63.) Verheyen
    3:2 (81.) Hofmann

    Brügge: Butina - Vanaudenaerde, Maertens, Spilar, Blondel - Vermant, Clement, Leko (86. Roelandts) - Verheyen, Portillo (90. Victor), Balaban (82. Englebert)

    Rapid: Hedl - Dober (83. Garics), Martin Hiden, Bejbl, Adamski - Hofmann, Korsos, Hlinka, Dollinger (70. Martinez) - Kincl, Lawaree (70. Akagündüz)

    Gelbe Karten: Vermant, Blondel, Victor bzw. Dollinger, Dober (im nächsten Spiel gesperrt), Kincl

    • Bild nicht mehr verfügbar

      Nach einem Balaban-Volley musste sich Hedl strecken, der Rapid-Goalie blieb ohne Wuchtl im Schlamm stecken und Portillo staubte zum 1:1 ab.

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