Wiener Linien: Betrunkene "kein Problem"

8. März 2006, 11:45
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Ein Alkoholverbot wie in London ist nicht geplant - Wegweisungen nur eingeschränkt möglich

Wien - Ein striktes Alkoholverbot in allen öffentlichen Verkehrsmitteln - was in London für eine Welle der Empörung gesorgt hat - ist in Wien kein Thema. Betrunkene in U-Bahnen oder Straßenbahnen seien "kein großartiges Problem", meint Sandra Stehlik, Sprecherin der Wiener Linien. Es komme zwar vor, dass Alkoholisierte während der Fahrt einschlafen, diese müssten dann eben bei der Endstation aussteigen.

Randalierene Angetrunkene können verwiesen werden

Grundsätzlich gilt: Jeder, der sich nicht an die Beförderungsbedingungen hält - das heißt, eine Gefahr für die Sicherheit und Ordnung darstellt - kann von der Stationsaufsicht oder der mobilen U-Bahn-Aufsicht verwiesen werden. Wird dem nicht Folge geleistet, kann nur die Polizei einschreiten. Genauso wird auch in Bahnhöfen oder Zügen vorgegangen: "Wenn Angetrunkene randalieren, können sie bei der nächsten Haltestelle rausgeworfen werden", so ÖBB-Sprecherin Katharina Gürtler. Das käme äußerst selten vor. Bei Großveranstaltungen, wie Fußballspielen, gebe es ohnedies Sonderzüge mit Security-Personal. "Alles bleibt wie gehabt. Es ist kein Alkoholverbot angedacht", so der einhellige Tenor der Verantwortlichen. Schließe habe auch die britische Regierung das geplante Alkoholverbot wieder zurückgezogen. Da die Durchführung unrealistisch sei, wie es in London hieß.

Kaum Beschwerden

Wer lediglich ein paar Promille zu viel erwischt hat, muss nicht mit einem Rauswurf aus den Öffis rechnen. "Wenn jemand wankend die Rolltreppe herunterkommt, schaut das Personal eben, dass er in den Zug einsteigt", erläutert Stehlik das Vorgehen der Wiener Linien. Es komme aber immer auf die Situation an.

"Vom Gesetz her gibt es für die Mitarbeiter keine Handhabe", heißt es auch aus dem Kundendienst. Beschwerden gebe es kaum. Nur im Winter, wenn sich Obdachlose in den Passagen im Stationsbereich wärmen, fühlen sich viele Fahrgäste gestört. "Am Stephansplatz oder am Westbahnhof ist das ein Problem. Die Obdachlosen kommen immer wieder, da kann man nichts machen," zeigt sich die Kundendienststelle resigniert.

Ausfälle auf U3

Ein anderes Problem hatten die Wiener Linien am Mittwoch früh: Wegen Rauchentwicklung durch Staub in der Station Westbahnhof und einer Stellwerkstörung in Erdberg mussten die Passagiere jeweils rund 30 Minuten auf auf andere Verkehrsmittel umsteigen. (kri, DER STANDARD Printausgabe 3.11.2005)

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