Wahlen in Bozen, ein zweiter Versuch

7. November 2005, 08:24
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Neue Herausforderer für Rechten Benussi

Bozen – Sechs Monate nach den gescheiterten Gemeindewahlen sind die Einwohner von Bozen am Wochenende erneut zur Wahl eines Bürgermeisters aufgerufen. Im Mai hatte der Rechtskandidat Giovanni Benussi in der Stichwahl mit sieben Stimmen Vorsprung gesiegt. Doch der Architekt, der im Gemeinderat über keine Mehrheit verfügte, war beim Versuch gescheitert, eine neue Stadtregierung zu bilden.

Am Sonntag hat es Benussi mit einem neuen Gegner zu tun: der 45-jährige Forstexperte Giovanni Spagnolli wird vom Linksbündnis unterstützt. Die Südtiroler Volkspartei hat erstmals darauf verzichtet, im ersten Wahlgang einen eigenen Kandidaten zu präsentieren und will diesmal auch unter den Italienern punkten: Auf dem zweiten Listenplatz wirbt mit Elena Artioli erstmals eine junge Italienerin um Stimmen für die SVP – eine Entscheidung, die in der Sammelpartei gegensätzliche Reaktionen ausgelöst hat. Beide Bürgermeisterkandidaten sprechen gut deutsch, sind katholisch geprägt und geben sich siegessicher – doch der Ausgang der von ethnischen Gegensätzen geprägten Wahl ist offen. 22 Parteien bewerben sich um die 50 Sitze im Gemeinderat. Vieles wird am Sonntag davon abhängen, welchem Lager es gelingt, jenes Drittel der Bozner zu mobilisieren, das sich im Mai nicht an den Wahlen beteiligt hat.

Im Wahlkampf mischen Spitzenpolitiker aus ganz Italien mit: am Freitag kommen Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Oppositionsführer Romano Prodi zu einem Schlussappell an die Wähler nach Bozen. Darüber, dass während Berlusconis Veranstaltung ein Relief, das Benito Mussolini zeigt, verdeckt werden soll, ist eine Kontroverse entstanden: Viele Südtiroler empfinden das als "Heuchelei".

Das Rechtsbündnis, das in Bozen einen "historischen Erfolg" anpeilt, appelliert an die italienische Bevölkerungsmehrheit, sich "die Stadt zurückzuerobern". Das Linksbündnis verweist auf die Erfolge der Autonomie und plädiert für ein konfliktfreies Zusammenleben der Sprachgruppen. (mu)(DER STANDARD, Printausgabe, 3.11.2005)

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    Wahlsieger ohne Regierung: Giovanni Benussi

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