Stunde der Wahrheit bei Flugtickets

21. November 2005, 15:26
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Den Konsumenten kosten billige Reisen oft das Doppelte des inserierten Preises - Ab 2006 soll die Pflicht zum "Bruttopreis" damit Schluss machen

Wien - Das billige Ticket für den Städtekurzurlaub am Wochenende endet beim Griff zum Geldbörsel oft mit einer ernüchternden Erkenntnis: Der beworbene Preis ist gerade die Hälfte dessen, was zu zahlen ist. Flughafengebühren, Sicherheitstaxen, Kerosinzuschläge, Bearbeitungskosten: Unterm Strich kostet ein 99-Euro-Ticket leicht auch 180 Euro.

Das Verwirrspiel der Airlines im Kampf um Fluggäste soll jedoch ab Anfang 2006 ein Ende haben: Künftig soll die Angabe des so genannten "Bruttopreises" - also Ticketkosten inklusive sämtlicher Gebühren - gesetzlich verpflichtend sein, eine Änderung des Preisausschreibungsgesetzes ist im Wirtschaftsministerium in Vorbereitung, bestätigte Wirtschaftsminister Martin Bartenstein dem STANDARD.

Neuregelung

Demnach wird derzeit unter Einbeziehung von Airlines und Sozialpartnern die Neuregelung ausgearbeitet, die als Initiativantrag eingebracht und noch vor Jahresende beschlossen werden soll. "Es ist eine Frage der Fairness und Transparenz für Konsumenten", erklärte Bartenstein.

Paradoxerweise ging die Initiative für die gesetzliche Änderung von den Austrian Airlines aus, die wie die meisten Fluglinien nur ihren Preis, aber nicht die unvermeidbaren Zusatzgebühren in der Werbung angeben. "Es gibt mittlerweile eine ziemliche Diskrepanz zwischen dem, was inseriert wird und was der Konsument dann vom Bankomat abhebt", räumte eine AUA-Sprecherin die Notwendigkeit einer Änderung ein.

Zustimmung von Lauda

Zustimmung kommt dafür vom Hauptkonkurrenten der AUA, Niki Lauda: "Ich sehe das sehr positiv, wir haben das immer gemacht. Wenn wir 29 Euro inserieren, dann fliegt man auch um diesen Preis" - allerdings nur in eine Richtung, während die AUA stets Hin- und Rückflugpreis bewirbt und dies auch gerne zur Pflicht machen würde.

"Wenn das Thema aus der Welt geschafft wird, läuft man damit bei den Reisebüros offene Türen ein", sieht Verkehrsbüro-Vorstand Norbert Draskovits nur Vorteile: "Unsere Mitarbeiter haben erheblichen Erklärungsbedarf, warum die tatsächlichen Preise höher als die beworbenen sind."

Details sind noch ungelöst: Während die AUA zwar den Kerosinzuschlag, nicht aber unterschiedliche Bearbeitungsgebühren inkludieren will, will Lauda die Bearbeitungsgebühr, nicht aber den Kerosinzuschlag einrechnen: "Das ist wie an der Tankstelle, wo sich Spritpreise mal nach oben und mal nach unten bewegen." (Helmut Spudich, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.11.2005)

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