"Absurdes Infoblatt" bei Hungerstreiks

4. November 2005, 12:38
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Text wird seit rund zwei Jahren in den Polizeigefängnissen ausgeteilt

Wien/Linz - Ein "absurdes Dokument" ist für Peter Pilz von den Grünen das "Infoblatt bei Hungerstreik", das seit rund zwei Jahren in den Polizeigefängnissen ausgeteilt wird. Laut Exekutive auch an jenen Schubhäftling aus Gambia, der Anfang Oktober während eines Hungerstreikes in Linz gestorben ist. Absurd ist der Text für Pilz vor allem, weil er vor medizinischen Fachausdrücken strotzt - in einer parlamentarischen Anfrage will der Politiker vom Innenministerium nun unter anderem wissen, ob das geändert werden wird.

Information über Folgen

So finden sich auf dem Zettel nach dem Hinweis, dass "fehlende Nahrungszufuhr mit einer Gefährdung Ihrer Gesundheit verbunden sein kann", mögliche Folgen: Thrombosenbildungen, Lungenembolien, Unterzuckerungszustände. "Warum schreibt man nicht klar hinein, ab welchen Symptomen es wirklich gefährlich wird und was man dagegen machen soll", fragt Pilz. "Was soll ein Flüchtling mit ,Unterzuckerungszuständen' anfangen können?"

Im Innenministerium weist man die Kritik zurück. "Diese Merkblätter entsprechen den Intentionen des Menschenrechtsbeirates und des Antifolterkomitees des Europarates", betont Hannes Rauch, Sprecher von Innenministerin Liese Prokop (VP). Auch der Inhalt sei dem Menschenrechtsbeirat bekannt und bisher nie kritisiert worden. Offenbar auch nicht, dass schon in der englischen Version des in 23 Sprachen übertragenen Textes ein Übersetzungsfehler vorliegt. (moe, DER STANDARD Printausgabe 3.11.2005)

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